Die Gläubigerversammlung von Gerry Weber hat am 4. Juni die Eigenverwaltung für das am 1. April 2019 eröffnete Insolvenzverfahren bestätigt. Außerdem hat die Gläubigerversammlung Rechtsanwalt Stefan Meyer als Sachverwalter nunmehr auch für das weitere Verfahren des Modekonzerns bestätigt. Seine Aufgabe ist es, das Unternehmen während des gesamten Verfahrens zu begleiten, den Sanierungsprozess zu unterstützen und dabei aber insbesondere die Gläubigerinteressen zu wahren. „Der operative Geschäftsbetrieb läuft ungeachtet des laufenden Eigenverwaltungsverfahrens ungestört und vollumfänglich weiter. In den vergangenen Wochen wurden zudem wichtige Sanierungsmaßnahmen umgesetzt und eingeleitet, die auch von den potenziellen Investoren positiv beurteilt werden. Die Maßnahmen des vom Vorstand und den Beratern bereits vor Einleitung des Eigenverwaltungsverfahrens erstellten Sanierungs-konzepts werden – angepasst auf die Eigenverwaltungssituation – sukzessive auch weiterhin umgesetzt“, erklärte Stefan Meyer.
Investorenprozess und Insolvenzplanverfahren fortgeschritten
„Mit der Zustimmung des Gläubigerausschusses haben wir zudem einen professionellen, strukturierten M&A-Prozess gestartet und suchen nach geeigneten Investoren“, so Meyer über die Ereignisse der vergangenen Wochen. Mit der Unterstützung und Umsetzung des Investorenprozesses wurde die Investmentbank Macquarie beauftragt. Gerry Weber liegen nach eigenen Angaben mehrere indikative Angebote von potenziellen Investoren vor. Diese noch unverbindlichen Kaufangebote wurden in den vergangenen Wochen sorgfältig geprüft und weiter verhandelt. Im Verlauf des Juni 2019 werden verbindliche Angebote der Investoren erwartet.
Das Unternehmen arbeitet parallel auch an einer Sanierungslösung über einem Insolvenzplan, mit dem der Rechtsträger der Gerry Weber International AG erhalten bleiben würde. Eine Kombination aus den beiden Sanierungsvarianten Einstieg eines oder mehrerer Investoren und Insolvenzplan sei ebenfalls möglich und denkbar, teilt das Unternehmen aus Westfalen mit. Unverändert soll noch im Juni 2019 eine Entscheidung über den weiteren Weg und damit die Zukunft der Gerry Weber Gruppe herbeigeführt werden. Die Umsetzung der beschlossenen Lösung soll dann bis Jahresende 2019 abgeschlossen sein.
Geplante Schließungen der Stores im Rahmen der Sanierung werden vorbereitet
Nach einer betriebswirtschaftlichen Analyse der Storeportfolios hat das Unternehmen mit der Umsetzung der angekündigten Bereinigung seines eigenen inländischen Retailgeschäfts begonnen. Nachdem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den betroffenen Stores informiert wurden, werden die geplanten Schließungen bis Ende November 2019 erfolgen. Durch die Schließung von 146 Stores und Verkaufsflächen im Inland werden nach aktuellem Stand ca. 330 Vollzeitarbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Unter anderem, um die bestmögliche Warensteuerung und Warenverfügbarkeit zu gewährleisten, wird die Schließung in drei Phasen zum 30. September, 31. Oktober und 30. November dieses Jahres umgesetzt.