Auch in anderen europäischen Ländern hatte der Handel mit Lockdowns zu kämpfen und hofft auf eine noch gute Sommersaison. „Wir sind in allen Märkten wieder offen, was eine Erleichterung ist. Es ist eine gewisse Konsumlaune spürbar, jedoch hat uns der kalte Frühling einen Strich durch die Rechnung gemacht“, so Michael Rumerstorfer, Vorstand der Leder & Schuh AG aus dem österreichischen Graz. Die Zuversicht überwiegt bei Rumerstorfer: „Uns ist der Restart auch dank unserer starken Partner aus der Industrie gelungen. Jetzt freuen wir uns auf die kommenden Wochen, mit geöffneten Geschäften und feierlichen Anlässen.“
Positiv gestimmt ist auch Marlies Hüser, Schuhhändlerin aus dem westfälischen Emsdetten. „Wir sehen sehr optimistisch in die Zukunft, da die Kunden von Mensch zu Mensch kaufen wollen. Die haben keine Lust mehr, in der Post in einer Schlange zu warten oder vom Paketboten abhängig zu sein.“ Die größten Hürden seien inzwischen überwunden, so die Händlerin. Sie übt aber auch Kritik an den politisch Verantwortlichen und den Medien: „Wir können nicht von einem Restart unter normalen Bedingungen sprechen, da es weiterhin Einschränkungen für uns Händler gibt. Diese sind notwendig, aber falsch kommuniziert. Dass den Kunden von außen angekündigt wird, es gäbe nun wieder eine Normalität beim Einkaufen, weckt eine Erwartungshaltung, die enttäuscht wird. Am Ende sind wir Händler die Bösen, die die Kunden vor dem Geschäft warten lassen. Das muss differenzierter von der Tagespresse kommuniziert werden.“ Gleichwohl gebe es durch den Wegfall der Testpflicht und das sonnige Wetter eine gesteigerte Kauflust, so Hüser. Entscheidend sei zudem, den Kunden gegenüber Optimismus auszustrahlen: „Die Sorgen der Einzelhändler gehören nicht auf die Fläche“, so Hüser. Für sie bleiben aber auch Aufgaben zu lösen: „Wir haben gelernt, dass man nur kurzfristig planen kann und flexibel sein muss. Das trifft auch auf die Reduzierungen zu. Wir wissen aktuell noch nicht, wann wir mit dem Sale starten werden – im Idealfall so spät wie möglich. Da die Kunden bisher weder einen richtigen Sommer hatten noch richtig konsumieren konnten, spielen Reduzierungen für sie noch keine Rolle.“
Bei Deichmann registriert man aktuell sehr geordnete Abläufe beim Einkaufen: „Die Kundinnen und Kunden sind bisher sehr diszipliniert, denn selbstverständlich erfolgt das Einkaufen weiter unter Einhaltung der einschlägigen Hygienevorschriften und gesetzlichen Vorgaben. Dazu gehören unter anderem Hinweise zu notwendigen Schutzmaßnahmen, Handdesinfektionsmittel sowie das verpflichtende Tragen einer medizinischen Maske für Personal und Kunden. Es gilt weiterhin: Die Läden sind sichere Orte. Die Hygienekonzepte im Einzelhandel sind ausgefeilt und wirksam“, so das Unternehmen gegenüber schuhkurier.
Große Freude herrscht aktuell bei Schuhhändlerin Kirsten Graßmay von Stüben Fuß und Schuh aus Neumünster in Schleswig-Holstein: „Wir schweben heute auf einer Insel der Glückseligkeit“, so die Händlerin zu Beginn dieser Woche gegenüber schuhkurier. Der Spezialist für Laufkomfort und Bequemschuhe will in wenigen Wochen mit einem speziellen Kulturangebot starten: „Wir veranstalten ab Juli unsere Kulturreihe ’Kultur hinterm Schuhregal‘ mit drei Konzerten mit Jazz, Klassik und Popmusik. Zudem ist eine Lesung geplant und weitere Termine sind auch schon in der Pipeline“, berichtet Kirsten Graßmay. Die Resonanz sei überwerwältigend gewesen: „Die Menschen sind hungrig nach Kultur und Erlebnissen! Die ersten Tickets waren bereits nach acht Minuten verkauft.“
Gabor Klaus vom Unternehmen GK Schuhmoden aus Dresden ist erst einmal erleichtert: „Nach dreimonatiger kompletter Geschäftsschließung war es für mich, wie für viele Branchenkollegen sicherlich auch, sehr befreiend, trotz vorgegebener Rahmenbedingungen Anfang März diesen Jahres wieder öffnen zu dürfen und für meine Kunden da zu sein“ berichtet der Händler gegenüber schuhkurier. „Es war definitiv im mehrfachen Sinne für unsere Schuhbranche, somit auch für mich als Einzelhändler, keine leichte Zeit. Nicht zu wissen was wird, wie lange wir schließen müssen – und das auch noch bei einer Jahreszeit, die den Namen Winter mal verdiente.“
Auch wenn sich die entstandene Umsatzlücke dieses Jahr nicht mehr schließen lassen werde, sei er allen dankbar, die dazu beigetragen haben und es auch weiterhin tun, „dass auch ein kleines Schuhgeschäft weiter am Markt seine Existenzberechtigung hat. Stellvertretend für viele möchte ich meine zahlreichen Stammkunden und die Firmen Pölking, Josef Seibel Schuhfabrik und Eisenhardt erwähnen. Jeder Tag fängt für mich bei null an und der erste Schuhverkauf ist für mich der wichtigste. Danach kann es nur noch besser werden. Die Nachfrage nach schönen Frühjahr- und Sommerschuhen ist da. Wenn die noch teilweise vorhandenen Unsicherheiten der notwendigen Klarheit endlich weichen werden, können wir auch allmählich zur Normalität zurückkehren.“
Der Ingolstädter Schuhhändler David Weihard von Dein Schuhladen Linn musste auf Lockerungen länger warten. „Wir sind jetzt gerade erst bei einer Inzidenz unterhalb von 50. Bislang haben wir unsere Kunden also nur mit Terminvereinbarung begrüßen dürfen“, so der Händler Anfang der Woche. Der Zuspruch sei gut, aber: „Wir vermissen immer noch die klassische Laufkundschaft, die eher zufällig vorbeikommt und sich im Geschäft umsieht. Viele sind noch verunsichert, weil sie nicht wissen, welche Regeln derzeit gelten, was sie dürfen und was nicht. Andererseits muss man sagen: Wer aktuell den Laden betritt, hat Lust und Laune – und kauft auch.“