Der HDE setzt sich für einen schnellen Tarifabschluss im laufenden Tarifkonflikt ein, der die Branche nicht überfordere und keine Arbeitsplätze gefährde. „Millionen Beschäftigte im Einzelhandel warten auf eine Anhebung ihrer Tarifentgelte. Es liegen brauchbare Lösungen für den Handel vor, Verdi darf eine Tarifeinigung jetzt nicht durch eine Mindestlohn-Scheindebatte unnötig verkomplizieren“, so der Tarifgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Steven Haarke. Der HDE widerspricht der Darstellung von Verdi, die Angebote unterböten den Mindestlohn. Im Einzelhandel werde selbstverständlich der gesetzliche Mindestlohn gezahlt, stellt der Verband klar. Zudem werde nahezu flächendeckend ein tarifliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld an sämtliche Entgeltgruppen gezahlt. Würde man dies hinzurechnen, liege das tarifliche Einstiegsgehalt in allen Tarifgebieten im Einzelhandel schon heute über dem ab 1. Januar 2027 geltenden gesetzlichen Mindestlohn von 14,60 Euro brutto pro Arbeitsstunde.
Haarke appelliert an die Gewerkschaft: „Das Vorgehen von Verdi erinnert leider stark an die letzte historisch lange Tarifrunde im Einzelhandel. Und das, obwohl Verdi stets betont hatte, dieses Jahr einen zügigen Abschluss machen zu wollen. In Baden-Württemberg etwa hatten sich die regionalen Tarifvertragsparteien schon Anfang Juli auf eine Einigung verständigt, die in der Nacht von einer bundesweiten Verdi-Koordinierungsrunde doch noch blockiert wurde. Es sollte jetzt rasch Vernunft einkehren.“
Ab September werden die Arbeitgeber Angebote über 36 Monate Laufzeit abgeben, kündigt der HDE an. Zuletzt haben sich die Tarifparteien in Bayern auf Entgeltsteigerungen von insgesamt 5 % bei einer Laufzeit von 24 Monaten im Groß- und Einzelhandel geeinigt. Verdi bewertete diese Einigung als möglichen Impuls für die noch laufenden Tarifrunden in anderen Bundesländern und forderte die Arbeitgeber im Einzelhandel auf, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Nach Angaben von Verdi hatte der Handelsverband Deutschland zuvor vereinbarte Gesprächstermine in mehreren Tarifgebieten abgesagt. Verdi erklärte, weiterhin in allen Bezirken verhandlungsbereit zu sein.