Zum Tag der Arbeit hebt der Handelsverband Deutschland (HDE) die zentrale Rolle des Einzelhandels als Arbeitgeber hervor. Über 3,1 Mio. Menschen waren laut Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag 30. September 2025 in der Branche beschäftigt. Damit zählt der Einzelhandel weiterhin zu den wichtigsten Säulen des Arbeitsmarktes in Deutschland.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine besorgniserregende Entwicklung: Seit dem Ende der Pandemie im Jahr 2022 sind mehr als 73.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verloren gegangen. „Die negative Entwicklung bei den Arbeitsplätzen in der Branche besorgt uns sehr und muss allen zu denken geben. Die Kosten für den Faktor Arbeit sind der Schlüssel, diese dürfen nicht immer noch weiter ansteigen. Wir brauchen die Deckelung der Lohnnebenkosten bei 40 Prozent“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.
Trotz der angespannten Lage sieht sich der Einzelhandel weiterhin als leistungsstarker Arbeitgeber – auch mit Blick auf die Zukunft. Allerdings bleibt der Bedarf an qualifizierten Fachkräften hoch. Besonders wichtig sei es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Der HDE fordert daher eine Ausweitung von Betreuungsangeboten, auch in den Abendstunden und am Samstag.
Auch strukturelle Anpassungen am Arbeitszeitmodell stehen auf der Agenda. „Wichtig ist zudem der Wechsel von einer starren täglichen Höchstarbeitszeit hin zu einer wöchentlichen Arbeitszeit, so sieht es schließlich auch das geltende EU-Recht vor. Das schafft unter der Woche schlicht mehr Flexibilität, ohne dass damit die individuelle Arbeitszeit der Beschäftigten automatisch steigt“, so Genth.
Parallel dazu kämpft die Branche mit Herausforderungen in der Ausbildung. Zwar ist diese fest in den Unternehmen verankert, doch 63 Prozent der Betriebe berichten von Schwierigkeiten bei der Gewinnung geeigneter Bewerber. Nur rund ein Viertel konnte im Ausbildungsjahr 2025 alle angebotenen Plätze besetzen, während mehr als ein Drittel keinen einzigen Ausbildungsplatz vergeben konnte.
„Ausbildung scheitert damit weniger am fehlenden Willen, sondern zunehmend an einem strukturellen Mangel an geeigneten und passenden Bewerberinnen und Bewerbern“, erklärt Genth. Neben unzureichenden schulischen Qualifikationen spielen auch falsche Erwartungen an den Beruf eine entscheidende Rolle. Trotz dieser Herausforderungen bleibt der Einzelhandel laut HDE eine der ausbildungsstärksten Branchen und übernimmt weiterhin eine wichtige gesellschaftliche Funktion – nicht zuletzt bei der Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund.