Der Handelsverband Deutschland (HDE) lehnt die derzeit diskutierte Reform der Erbschaftsteuer entschieden ab. Hintergrund ist ein Vorstoß der SPD, wonach die geltenden Verschonungsregeln für Betriebsvermögen gestrichen werden sollen. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth zeigt sich besorgt: „Handelsunternehmen brauchen ihr Kapital für Investitionen in die Zukunft. Gerade in den aktuell gesamtwirtschaftlich herausfordernden Zeiten wären Steuererhöhungen etwa über die Erbschaftsteuer fatal.“
Auch die Begründung der SPD stößt beim Verband auf Unverständnis. „Die Führung eines Handelsunternehmens in der zweiten oder dritten Generation ist eine große Leistung. Dass die SPD hier von leistungsloser Vermögensbildung spricht, lässt tief blicken“, so Genth weiter. Der von der SPD vorgeschlagene Unternehmensfreibetrag von fünf Millionen Euro entlaste aus Sicht des HDE lediglich Kleinstbetriebe. Für filialstarke Handelsunternehmen könne die Reform hingegen zu einer signifikanten Mehrbelastung führen – mit möglichen Schließungen als Folge.
Unterstützung signalisiert der HDE dagegen für den Vorschlag von CDU und CSU, die bereits geplante Senkung der Körperschaftsteuer vorzuziehen. Diese war im Rahmen des sogenannten Investitionsboosters für 2028 beschlossen worden, soll aber nur schrittweise umgesetzt werden. „Eine frühere Senkung des Körperschaftsteuersatzes ist genau der richtige Schritt. Die angestrebten zehn Prozent sollten bestmöglich schon in dieser Legislaturperiode erreicht werden“, fordert Genth.
Gleichzeitig warnt der Verband davor, Personenunternehmen bei den Reformen zu vergessen. „Die Senkung des Körperschaftsteuersatzes ist nur die eine Hälfte des Investitionsboosters“, so Genth. Die andere Hälfte sei die Senkung der Steuerlast auf einbehaltene Gewinne bei Personenunternehmen. Ziel müsse sein, beide Rechtsformen gleich zu behandeln und eine Gesamtsteuerbelastung von 25 Prozent zu erreichen. „Es gilt, alle Tarifreformen vorzuziehen, denn gerade im Einzelhandel sind viele Unternehmen inhabergeführte Familienbetriebe“, betont Genth.