„Die deutsche Schuhindustrie befindet sich seit Jahren in einer Phase der Stagnation: Die internationale Wettbewerbsfähigkeit leidet unter hohen Standortkosten, regulatorischen Belastungen sowie den Handelskonflikten. Gleichzeitig ist eine Konsumzurückhaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher zu beobachten. In dieser Situation nun Forderungen wie 7% mehr Entgelt sowie einen Gewerkschaftsbonus zu präsentieren, die in keinerlei Verhältnis zur wirtschaftlichen Realität stehen, ist überzogen und gefährdet Arbeitsplätze sowie Investitionen“, erklärt Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des HDS/L.
Die Gewerkschaft hatte vor Kurzem ihre Forderungen für die Tarifrunde bekanntgegeben, darunter neben den bereits erwähnten 7% auch eine deutliche Steigerung der Ausbildungsvergütungen sowie die Überarbeitung der Entgeltgruppen. Es sei Zeit für einen fairen und modernen Tarifvertrag für die Sportartikel- und Schuhindustrie, so IGBCE-Verhandlungsführer Frieder Weißenborn.
Der HDS/L positioniert sich klar gegen diese Einschätzung und betont die Verantwortung für den Standort: Bereits jetzt sei eine zunehmende Abwanderung von Unternehmen in das Ausland zu beobachten – ein alarmierender Trend, der durch unrealistische Tarifabschlüsse weiter befeuert würde, so Manfred Junkert. „Wir erleben eine sich beschleunigende Deindustrialisierung. Wer den Industriestandort Deutschland erhalten will, muss Tarifpolitik mit Augenmaß betreiben. Es braucht jetzt eine gemeinsame Kraftanstrengung zur Sicherung von Beschäftigung und Zukunftsperspektiven, nicht eine Tarifrunde mit dem Kopf durch die Wand.“
Der HDS/L betont zugleich seine Gesprächsbereitschaft und ruft zu einer verantwortungsvollen und realitätsbezogenen Tarifrunde auf. Nur so könne in einem herausfordernden globalen Umfeld der Grundstein für nachhaltiges Wachstum und sichere Arbeitsplätze gelegt werden.