Die Nummer 1 im deutschen Schuhhandel heißt Deichmann. Dahinter folgt – Amazon. Dies sagt zumindest Sergio Bucher, Vice President Amazon Fashion. Auf 800 Mio. bis 1 Mrd. Euro schätzt Christian Kernbichl, Geschäftsführer des E-Business-Spezialisten Merkkur, das Volumen, das Amazon mit seinen eigenen Retail-Aktivitäten sowie zusammen mit Händlern auf seinem Marktplatz in Deutschland umsetzt.
Der Mann weiß, wovon er spricht. Im Jahr 2007 begann er seine Karriere bei Amazon Deutschland und baute den Bereich Schuhe und Taschen auf, den er fünf Jahre lang verantwortete. In den Jahren 2013/14 leitete er die Bekleidungskategorie bei BuyVIP, dem Shopping Club von Amazon für Mode, und kümmerte sich u.a. um die Vermarktung von Warenüberhängen.
Seit rund zwei Jahren ist er selbstständig tätig und verkauft u.a. Schuhe über Amazon. Kernbichl ist als Händler auf dem Marktplatz aktiv. Dabei überlässt er Amazon allerdings Versand, Kundenservice und die Retouren-Abwicklung. Die Gebühren seien vergleichsweise günstig. Kernbichel bezifferte sie mit 3 Euro pro Schuh bei einer angenommenen Retourenquote von 33 Prozent. Der E-Business-Experte kennt das Unternehmen also aus mehreren Perspektiven.
Gleichwohl – oder vielleicht gerade deshalb – kann er Amazon nicht mit wenigen Worten beschreiben. Ist Amazon ein Händler? Ein Technologieunternehmen? Ein Logistikunternehmen? Oder eine Verlagsplattform? "Amazon ist alles". Kernbichl hob vor allem die "wahnsinnige Innovationskraft" hervor. 8 Prozent des Umsatzes würden in Logistik Services wie etwa "prime now", Übernahmen (Zappos) und neue Produkte investiert. Dazu gehört beispielsweise "Echo": eine Box, über die per Spracheingabe Autos von Tesla aus der Garage gefahren werden können oder so profane Dinge des Alltags wie Toilettenpapier bestellt werden können.
Kernbichl ist daher überzeugt: Die Relevanz von Amazon wird weiter zunehmen. Den Industrievertretern legte er daher nahe, sich einen detaillierten Überblick über ihre Marke und die Akteure auf den Amazon Plattformen zu verschaffen. Und: "Amazon bietet viele Möglichkeiten. Nutzen Sie diese zu Ihrem Vorteil." Ob für Überhänge oder die Lancierung einer neuen Marke. "Der Traffic ist da."
Kernbichl warnte allerdings auch vor Abhängigkeit von Amazon. Gründer Jeff Bezos habe anfänglich geplant, sein Unternehmen "relentless" zu nennen – auf deutsch heißt das "unbarmherzig bzw. unerbittlich".
Was passiert auf Amazon? Eine Checkliste für Hersteller
Jeder Hersteller sollte seine Marke auf Amazon "tracken", ist Christian Kernbichel überzeugt. Seine Leitfragen lauten:
+ Welche Händler verkaufen Ihre Marke?
+ Welche Schuhe/Taschen werden angeboten?
+ Zu welchen Preisen werden die Modelle angeboten?
+ Was schreibt der Konsument über die Produkte (Analyse der Kundenrezensionen)
+ Auswertung der ARA Daten (Amazon Retail Analyse)