Während der Orderphase war eine allgemeine positive Stimmung spürbar und als der September zu warm war, sank die Gemütslage wieder, so Höhne. „Mit dem Wetter müssen wir leben, denn durch den Klimawandel werden wir künftig auch längere Wärmeperioden haben. Es wäre natürlich schön, wenn wir ohne Einfluss des Wetters verkaufen könnten.“ Henrik Dismer, Schuhhaus Dismer in Dinslaken, sagt: „Es ist nicht so, dass wir keine Kunden haben, aber es fehlen die Bedarfskäufe. Wir hatten hier schon Stadtfeste und verkaufsoffene Sonntage, aber da waren hauptsächlich die Cafés rappelvoll. Unser Umsatzplus ist größtenteils wieder wie Eis dahingeschmolzen. Unsere Stimmung ist getrübt, weil wir gehofft haben, das Minus aufzuholen.“
Für Katrin Neuber, Schuh Neuber in Dresden, ist der Sommer Geschichte, „aber wenn wir was verkaufen, dann ist es sommerliche Ware. Der Herbst steht vor der Tür und ist nicht da. Es fehlt das Wetter“. Die Umsätze lassen auch bei Neuber in Dresden zu wünschen übrig. „Wir hatten durch den Brückentag viele Touristen in der Stadt, aber die setzen sich nicht mit Schuhen auseinander.“ Die Einzelhändlerin bleibt gelassen: „Aufregen bringt uns gar nichts.“
Es sei sehr bitter, betont Christiane Sauer: „Wir hatten schon im Frühjahr einen extrem späten Start in die Saison und mussten unseren Umsatz in sechs Wochen generieren. Für den Herbst sind wir nicht hoffnungslos. Wenn das Wetter endlich kippt, können wir retten, was zu retten ist. Aber grundsätzlich passt der Saisonverlauf nicht mehr.“ Andreas Kolb, Schuhhaus Frank, Bretzenheim, zieht ein positives Fazit: „Natürlich stört uns das viel zu schöne Wetter. Aber die Auswirkungen sind für uns nicht so dramatisch wie man oft hört. Die Umsätze sind natürlich nicht wie im Vorjahr, denn da war der September recht frisch. Aber wenn es hier morgens drei Tage kühl ist, sind die Kunden sofort unterwegs.
Das Feindbild Rabattaktionen scheint wenig Beachtung zu finden, so das Stimmungsbild. Lockvogel war bis zum 8. Oktober die Glamour Shopping Week, an der rund 100 Partnershops teilgenommen haben. Mit ähnlichen Nachlässen werben auch zahlreiche Schuhfilialisten und Sneakerstores. Das warme Wetter im September mache dem Schuhhandel mehr zu schaffen als die Rabattaktionen, denn diese gebe es jedes Jahr. Lieber setze man auf eigene Aktionen. „Von diesen ganzen Rabattaktionen von Glamourshopping bis hin zu Black Friday halten wir uns zurück“, sagt Henrik Dismer. „Bei uns gibt es keine pauschalen Rabatte, denn dadurch entwerten wir unsere Produkte“. Auch Katrin Neuber macht sich keinen Kopf: „Zu den Rabattaktionen kann ich nur sagen, dass heute jeder was machen will und es einen Preiskampf nach dem anderen gibt. Entweder kann ich damit leben oder nicht.“ Klare Aussage von Marcus Höhne aus Hamburg: „Bei Rabattaktionen machen wir nicht mit, obwohl in Hamburg ein Filialist gerade mal wieder mit 20% Rabatt wirbt“. Für Andreas Kolb sind die ganzen Rabattaktionen extrem ärgerlich und unnötig: „Die Kunden nehmen sie zum Glück aber nur noch bedingt wahr, da sie den Rabatten nicht glauben“. Lieber möchten die Kunden die richtige Ware und einen guten Service.