Die Frage, warum er in den insolventen Schuhhändler Görtz investiert, hat der Unternehmer Bolko Kissling im schuhkurier-Interview mit wenigen Worten beantwortet: „Um ihn aus der Insolvenz herauszuführen“. Er kenne das Unternehmen seit seiner Kindheit. Und er habe schon vor seinem Engagement an einer Idee gearbeitet, die er nun mit Görtz umsetzen wolle.
Das Konzept, dass Bolko Kissling erarbeitet hat, fußt auf einem Nahversorgungskonzept. Er will in Stadtteilen, Vororten und Kleinstädten so genannte Neighbourhood-Stores entwickeln, die im Kern zwar weiterhin Schuhgeschäfte sind, aber zusätzlich noch mehr im Angebot haben. Schuhe, Accessoires und Mode sollen im stetig wechselnden Angebot präsentiert werden. Wer eine Größe oder Variante wünscht, kann diese via digitaler Screens in die Filiale bestellen. Ein Café soll zum Verweilen einladen; darüber hinaus gibt es weitere Services, die in der „Görtz Lounge“ in Anspruch genommen werden können: Reinigungsannahme, Reiseangebote, womöglich ist auch ein Schalter für Bankgeschäfte vorhanden.
Kissling setzt bei seiner Idee vor allem auf die letzte Meile: Bestellte Ware soll entweder in die Görtz Lounge geliefert und dort abgeholt werden können – oder sie wird per E-Fahrzeug nach Hause geliefert. Gern auch zusammen mit Paketen anderer Händler, die zuvor in die Görtz Lounge geliefert wurden. Sein beruflicher Hintergrund liege in der Logistik, sagt Kissling. Ihm gehe es um schnelle und praktische Lösungen. Und darum, den Einzelhandel mit neuen Konzepten zu beleben. Ob das funktionieren wird? Wird man sehen. Aber allein, dass es eine solche Idee gibt, ist schon eine gute Nachricht.