In der Analyse spricht Creditreform für das Jahr 2023 von einer herausfordernden Wirtschaftslage für die Unternehmen in Europa. Die sogenannte Zinswende der EZB, durch die die Zinsen schrittweise erhöht wurden, habe der steigenden Inflation entgegengewirkt, hatte jedoch auch eine sinkende Konsumneigung und Investitionsbereitschaft zur Folge. In Westeuropa ist die Anzahl an Unternehmensinsolvenzen vergangenes Jahr um 21% von 140.168 Fälle auf 169.596 gestiegen. Bereits zwischen 2021 und 2022 gab es einen Anstieg um etwa 24%. In Osteuropa ist die Anzahl an Unternehmensinsolvenzen von 2022 auf 2023 um 7.9% angestiegen. Damit wurden die Werte von 2019 übertroffen, während die Pandemiejahre einen Tiefpunkt im Insolvenzgeschehen darstellen. Die zahlreichen Hilfsmaßnahmen hätten zu einem Rückgang an Insolvenzen gesorgt, während es nun einen Nachholeffekt gibt. „Das Insolvenzgeschehen im vergangenen Jahr stand im Zeichen der Rezession. Inflation, Zinsen, Energiekosten und auch die Nachwehen von Corona haben viele Unternehmen massiv belastet. Jetzt sehen wir die Auswirkungen auch deutlich in den Zahlen“, fasst Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, die Entwicklung des Jahres 2023 zusammen.
Den größten Anstieg an Unternehmensinsolvenzen gab es in Europa in den Niederlanden (+54,9%), in Estland (+43.9%), Frankreich (+35,6%). Weniger Insolvenzen als im Vorjahr gab es nur in zehn Ländern vier westeuropäischen, sechs osteuropäischen. Das größte Minus in Kroatien (-22,3%), Lettland (-21,2%) und in Litauen (-13,1%) erfasst. In insgesamt 15 Ländern gab es ein zweistelliges Plus im Insolvenzgeschehen. Auch Deutschland (+22,9%), Österreich (+11,7%) bewegen sich in diesem Bereich.
Die Wirtschaftszweige, die besonders betroffen sind, sind der Dienstleistungssektor und der Handelssektor. 40,8% der Insolvenzen in Westeuropa und 38,1% der Insolvenzen in Osteuropa sind dem Dienstleistungssektor zuzurechnen. 31% der Insolvenzen in Westeuropa und 33,3% der Insolvenzen in Osteuropa sind dem Handelssektor zuzurechnen. Diese Branchen würden vor allem unter der Konsumzurückhaltung leiden. Für 2024 sagt Hantzsch weiter steigende Insolvenzzahlen voraus: „2024 wird eine Fortsetzung der schlechten Wirtschaftslage des vergangenen Jahres, die zu einer weiteren Zunahme der Insolvenzen führen wird. Zudem liefert die Finanzkrise 2009 einen Ausblick für die Insolvenzentwicklung der kommenden Jahre. Trotz wirtschaftlicher Erholung blieben die Zahlen damals für lange Zeit auf einem hohen Niveau.“