Die italienische Schuhindustrie hatte im ersten Halbjahr 2025 weiterhin mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Das zeigt die aktuelle Analyse des Forschungszentrums Confindustria Moda Accessories für Assocalzaturifici anlässlich der Micam, die am 7. September 2025 in Mailand startet. Während Umsatz (-5,6 %) und Industrieproduktion (-9,5 % laut ISTAT) rückläufig bleiben, deutet sich im zweiten Quartal eine Abschwächung des Negativtrends an.
„Die Exporte wurden durch die Entwicklung im Fernen Osten und im GUS-Raum gebremst. Die Unsicherheit hinsichtlich der Auswirkungen der US-Zölle hält an, wobei Prognosen erst dann quantifiziert werden können, wenn die Daten der kommenden Monate vorliegen“, erklärt Giovanna Ceolini, Präsidentin von Assocalzaturifici.
In den ersten fünf Monaten des Jahres verzeichnete die Branche 84,5 Mio. exportierte Paar Schuhe – ein Plus von 3,2 % gegenüber dem Vorjahr. Wertmäßig gingen die Exporte jedoch um 2,7 % auf 4,89 Mrd. Euro zurück. Der durchschnittliche Exportpreis pro Paar fiel auf 57,82 Euro (-5,7 %). Besonders betroffen sind Schuhe mit Obermaterial aus Leder (-2,7 % im Volumen, -7 % im Wert).
Regional betrachtet zeigen sich deutliche Unterschiede: Während die Exporte in die EU insgesamt um 1 % im Wert und 6,1 % im Volumen zulegten, brachen die Ausfuhren in Fernost um 23 % ein. Deutschland entwickelte sich mit einem Anstieg von 12,4 % im Exportwert und 15,8 % im Volumen erfreulich. Frankreich blieb mit stabilen Stückzahlen (+1,3 %) und einem Rückgang im Wert (-5,5 %) wichtigster Einzelmarkt. Wachstumsmärkte außerhalb der EU waren unter anderem die Vereinigten Arabischen Emirate (+26,6 %) und die Türkei (+13,5 %).
Im Inland bleibt die Nachfrage verhalten. Der Konsum privater Haushalte ging im Volumen um 1,9 % zurück. Lediglich das Segment Sportschuhe und Sneaker konnte sich mit einem leichten Plus von 1,2 % bei den Ausgaben behaupten.
Auch die strukturellen Kennzahlen der Branche spiegeln die angespannte Lage wider: Die Zahl der Unternehmen sank im Halbjahresvergleich um 81 (-2,4 %), die Beschäftigung ging um 1.392 Stellen (-2 %) zurück. Der Einsatz von Lohnunterstützungsmaßnahmen stieg im ersten Halbjahr um 12,8 % gegenüber dem Vorjahr – besonders stark in den Regionen Toskana (+97 %), Marken (+27 %) und Emilia-Romagna (+32 %).
Die Aussicht auf das zweite Halbjahr bleibt verhalten. „Die Widerstandsfähigkeit der Exporte in die USA im April (+1,9 %) und Mai (+1,8 %) sollte mit Vorsicht interpretiert werden, da die Unsicherheit und die Möglichkeit der Einführung noch höherer Zölle die Betreiber dazu veranlasst haben könnten, Transaktionen mit dem zusätzlichen Zoll von 10 % zu beschleunigen“, so Ceolini.
Die Entscheidung über die Rechtmäßigkeit der Zölle steht im Oktober an. Der US-Markt bleibt mit einem Exportvolumen von fast 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2024 der zweitwichtigste Absatzmarkt für italienisches Schuhwerk.
58 % der befragten Unternehmen rechnen damit, das Jahr 2025 mit schlechteren Ergebnissen als 2024 abzuschließen. Vor diesem Hintergrund dürfte die Micam auch als Stimmungsbarometer für die kommenden Monate dienen.