Ein schlichter Sneaker mit kräftiger, vulkanisierter Sohle. Eher schwer und solide als federleicht. Das Obermaterial: schwarzes Leder, übersäht mit zarten Blüten aus demselben Stoff. Klare Linien und trotzdem feminine Dekorationen. Ein Schuh, der nicht ’laut schreit‘, aber dennoch durch Kreativität und individuelles Design besticht. Es sind Modelle wie diese, mit denen sich Kennel & Schmenger seit Jahren vom Mainstream absetzt.
Im Gespräch zum 100-jährigen Bestehen des Unternehmens gibt Andreas Klautzsch, seit 23 Jahren in der Firma tätig und langjähriger Geschäftsführender Gesellschafter, zu, dass der Kennel & Schmenger-Weg nicht immer leicht zu gehen war. Der Schritt raus aus der Masse bedeutete den Abschied von Gewohnheiten und Geschäftsbeziehungen. Nicht jeder verstand vor Jahren, dass der Pirmasenser Schuhhersteller im Hinblick auf Design und Positionierung seiner Produkte eine Neuausrichtung einleitete. Kopfschütteln über die neue modische Linie mag noch die harmloseste Reaktion gewesen sein. „Zu abgedreht“ seien die Schuhe, hieß es, „unverkäuflich“ und vor allem „zu teuer“.
Heute zählt der Hersteller zehn edle, in Eigenregie geführte Monomarkenstores zu seinem Portfolio. Die Schuhe von Kennel & Schmenger finden sich außerdem in anspruchsvollen Schuhgeschäften, Boutiquen und Modehäusern. Nicht überall. Aber überall da, wo die Kundin sie sucht. Zum eigenen Weg des Pirmasenser Traditionsunternehmens gehört daher auch der Schritt ins Internet, den man ohne großes Tamtam früh gegangen ist. In Kooperation mit einer Plattform, aber auch mit einem eigenen Onlineshop, um die Markenbotschaft optimal zu transportieren. Man sieht sich bei Kennel & Schmenger selbstbewusst als Anbieter eines Premium-Fabrikats. Verortet die Marke keineswegs in der Avantgarde, wohl aber im Einstiegsbereich zum Luxussegment. Und will hier noch mehr erreichen: „Europas Marktführer im Premiumsegment“ soll das nunmehr 100 Jahre alte Brand aus der Pfalz nach dem Willen von Andreas Klautzsch und dem Gesellschafterkreis des Familienunternehmens werden.
Bei aller Klarheit, mit der der eigene Weg definiert wird, ist man sich in Pirmasens auch der Tatsache bewusst, dass es rechts und links Baustellen gibt, die dringend bearbeitet werden müssen. EDI ist so ein Thema, Digitalisierung im Allgemeinen. Manches dürfe auch schneller gehen, meint Klautzsch; nicht alles laufe bislang rund in diesem Bereich.
Und dann ist da die Pflicht, jede Saison aufs Neue die Kennel & Schmenger DNA weiterzuentwickeln und dabei doch ihren eigenen, unverwechselbaren Charakter zu bewahren. Nicht wenige Aufgaben für das Unternehmen. Aber dass es über Mut und Kraft verfügt, hat es schon mehrfach bewiesen.