Schon in Zeiten, als Corona nur als Biermarke bekannt war, galten pauschale Rabattaktionen als Streitthema im Schuhhandel. Immer früher und immer großzügiger wurde nach dem Wegfall des Rabattgesetzes reduziert. Die Frage, wie lang denn eigentlich eine reguläre Saison läuft, wurde immer wieder diskutiert.
Jetzt, in einer Zeit mit multiplen Herausforderungen, sind die bereits Anfang Oktober allerorten ausgerufenen 20% auf alles ein zusätzliches, erhebliches Problem für viele Händler. Klar: Der Midseason Sale soll die Kauflust ankurbeln. Da alles teurer wird und die Gaspreisbremse ihre Wirkung wohl erst in einigen Monaten entfalten wird, dürften die Menschen auf dieses Angebot zurückgreifen.
Wie der Restrukturierungsexperte Dr. Dirk Andres in der vergangenen schuhkurier-Ausgabe schilderte, sind großzügige Rabatte aus genau diesem Grund ein legitimes Mittel. Sie schaffen Liquidität. Und Liquidität kann helfen, eine Krisenzeit zu überstehen. Nachvollziehbar, dass derzeit einige Unternehmen, gebeutelt von hohen Mieten und schwindender Frequenz, zu dieser Maßnahme greifen.
Ihre Wirkung ist trotzdem fatal. Denn zugleich wird allerorten gemahnt, bloß nicht zu schnell den Rotstift anzusetzen und vielmehr so lange wie möglich die regulären Preise zu halten, müssen doch auch die höheren Kosten im Handel kompensiert werden. Wie kann also die Botschaft in dieser überaus komplizierten Situation lauten? Maß und Mitte wahren! An das eigene Unternehmen denken. Aber möglichst auch an die Auswirkungen, die Rabattaktionen für die gesamte Branche haben können. Wo soll das hinführen? Denn die Saison endet – eigentlich – erst im Januar.