Das Amtsgericht Chemnitz hat das Insolvenzverfahren über den Recycling-Spezialisten für Leder und Textilien angeordnet. Die Sächsische Zeitung hatte zuerst darüber berichtet.
Die Lederett GmbH im sächsischen Siebenlehn ging aus dem VEB Lederfaserwerk hervor, zu DDR-Zeiten laut Unternehmensangaben „Schlüsselbetrieb für die gesamte Schuhindustrie der DDR“. Nach der Privatisierung fertigte das Unternehmen unter anderem für Luxusmarken. Inzwischen hat sich Lederett auf das Recycling von Leder- und Stoffresten fokussiert, arbeitet aber auch mit anderen Materialien wie Pappbechern und Kaffeesatz. Wie auf der Homepage des Unternehmens formuliert wird, hat sich Lederett zuletzt auch auf Kreislaufwirtschaft spezialisiert, indem „Fashionunternehmen getragene, von den Kunden zurückgegebene Jeans an Lederett übergeben und wir diese hier in Siebenlehn in einen Recycling-Werkstoff umwandeln, der in der Innenausstattung der Modegeschäfte Verwendung findet“. Wo textile Produktionsreste entstünden, könne man Produzenten, Textilherstellern und Modelabels ein neuartiges Kreislaufkonzept zur Wieder- und Weiterverwendung von Materialien anbieten und helfen, Produkte ganzheitlicher und nachhaltiger zu entwickeln. Produkte von Lederett werden unter der Marke Refalett angeboten.
Das Unternehmen war 2018 erstmals in die Verlustzone gerutscht. Der Jahresfehlbetrag im Jahr 2021 betrug laut Bundesanzeiger rund 359.000 Euro. Die Gläubigerversammlung ist für den 30. April anberaumt.
Seit etwa 1920 produzierte die in der Nähe von Coswig bei Dresden ansässige Kötitzer Ledertuch- und Wachstuchwerke AG Lederfaserstoffe. Mit der Übernahme der Siebenlehner Papierfabrik wurde eine zusätzliche Produktionsstätte geschaffen. In der DDR war der VEB Lederfaserwerk Siebenlehn laut Unternehmensangaben auf der Homepage der größte Hersteller für Lederfaserstoff und versorgte die Schuhindustrie des Landes mit Lederfaserwerkstoff und Lefa-Schuhhinterkappen. Heute könne man auf eine „große Erfahrung im Recycling von Echtleder“ zurückgreifen.