Die Verkaufserlöse der deutschen Lederwaren- und Kofferhersteller sind im ersten Halbjahr 2025 gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 um 6,4 Prozent auf 235,8 Mio. Euro gesunken. Das teilte der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie HDS/L im Vorfeld der ILM mit.
Auf dem deutschen Markt gingen die Verkaufserlöse um 8,9 Prozent auf 164,6 Mio. Euro zurück. Stabil dagegen entwickeln sich die Auslandsmärkte: Hier konnten die Lederwarenhersteller einen Umsatz von 71,2 Mio. Euro erzielen (+0,1 Prozent).
Laut den amtlichen Statistiken ist die Beschäftigtenzahl in der Lederwaren- und Kofferindustrie im ersten Halbjahr 2025 um 7,6 Prozent auf 855 Mitarbeiter gesunken. Diese Angaben beziehen sich auf die Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten. Die tatsächliche Zahl der Beschäftigten in der deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie liegt bei schätzungsweise 2.400 Personen.
Preisentwicklung
Für den Zeitraum Januar bis Juni 2025 sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum die Erzeugerpreise für Lederwaren um 1,6 Prozent gestiegen. Innerhalb von zehn Jahren kletterten die Erzeugerpreise für Lederwaren um ein Fünftel.
Demgegenüber sind die Verbraucherpreise für Reiseartikel und andere Täschnerwaren in den ersten sechs Monaten von 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,1 Prozent zurückgegangen.
Exporte
Im ersten Halbjahr 2025 wurden Lederwaren und Koffer im Wert von 1,3 Mrd. Euro aus Deutschland exportiert. Dies entspricht gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 einem Rückgang von 0,4 Prozent.
Die wichtigsten Abnehmerländer waren im ersten Halbjahr 2025 Polen, die Schweiz und Frankreich (Polen: +5,7 Prozent auf 181,0 Mio. Euro; Schweiz: +6,6 Prozent auf 123,6 Mio. Euro; Frankreich: +6,7 Prozent auf 121,5 Mio. Euro).
Die Ausfuhren in Länder außerhalb des EU-Binnenmarkts entwickelten sich in unterschiedliche Richtungen. Während Zuwächse im Exportwert für das Vereinigte Königreich zu verzeichnen sind, liegen Rückgänge für China und die USA vor (Vereinigte Königreich: +14,8 Prozent auf 55,7 Mio. Euro; China: -20,6 Prozent auf 27,3 Mio. Euro; USA: -2,9 Prozent auf 59,3 Mio. Euro).
Positiv entwickelte sich die Ausfuhr über die unterschiedlichen Produktgruppen, insbesondere bei Reisegepäck. Bei Reisetaschen mit einer Außenseite aus Spinnstoff, Reise- und Handkoffern aus formgepresstem Kunststoff sowie Reise-/Handkoffern aus Aluminium liegen Steigerungen vor (Reisetaschen mit einer Außenseite aus Spinnstoff: +6,1 Prozent auf 187,9 Mio. Euro; Reise-/Handkoffer aus formgepresstem Kunststoff: +26,6 Prozent auf 58,1 Mio. Euro; Reise-/Handkoffer aus Aluminium: +13,3 Prozent auf 79,2 Mio. Euro).
Handtaschenexporte
Insgesamt wurden von Januar bis Juni 2025 10,4 Mio. Handtaschen mit einem Gesamtwert von 283,2 Mio. Euro aus Deutschland ausgeführt. Dies entspricht einen Rückgang um 4,8 Prozent. Der Wert der exportierten Handtaschen ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11,3 Prozent gesunken. Der Durchschnittspreis einer exportierten Handtasche betrug im ersten Halbjahr 2025 27,30 Euro (- 6,7 Prozent).
Während die ausgeführte Stückzahl an Lederhandtaschen in den ersten sechs Monaten 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast ein Drittel auf 1,9 Mio. gestiegen ist (+28,7 Prozent), liegen Rückgänge bei der Ausfuhr von Handtaschen mit einer Außenseite mit Kunststofffolie und von Handtaschen mit einer textilen Außenseite vor (Handtaschen mit einer Außenseite mit Kunststofffolie: -12,3 Prozent auf 4,8 Mio. Stück; Handtaschen aus Spinnstoff: -7,4 Prozent auf 3,6 Mio. Stück). Die Exportwerte sind über alle Handtaschentypen, unabhängig vom Material, gesunken (Leder: -8,6 Prozent auf 142,8 Mio. Euro; Kunststofffolie: -13,1 Prozent auf 89,5 Mio. Euro; Spinnstoff: -15,0 Prozent auf 50,9 Mio. Euro).
Importe
Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 ist im ersten Halbjahr 2024 der Wert der gesamten Einfuhren um 15,7 Prozent gestiegen. Der importierte Warenwert wuchs von 1,91 auf 2,22 Milliarden Euro. Über alle bedeutenden Produktgruppen hinweg, vor allem im Bereich Reisegepäck, liegen Zuwächse im Warenwert vor.
Während der Einfuhrwert von Reisetaschen mit einer textilen Außenseite um 11,8 Prozent auf 312,5 Mio. Euro gestiegen ist, ist der Einfuhrwert von Reise- und Handkoffern aus formgepresstem Kunststoff um 15,6 Prozent auf 177,6 Mio. Euro gestiegen. Zuwächse liegen auch bei Reisetaschen mit einer Außenseite aus Kunststofffolien vor (+18,7 Prozent auf 65,4 Mio. Euro).
Im ersten Halbjahr 2025 blieb China das wichtigste Lieferland Deutschlands für Lederwaren, Koffer und Reisegepäck. Es wurden in den ersten Monaten des laufenden Jahres Waren im Wert von 981,6 Mio. Euro aus China in Deutschland eingeführt (+23,3 Prozent). Der Anteil des chinesischen Importwertes am gesamten Importwert hat um fast 3 Prozentpunkte auf 44,2 Prozentpunkte zugenommen.
Italien war das zweitwichtigste Lieferland (254,7 Mio. Euro, -3,7 Prozent). Zuwächse im Importwert sind für asiatische Lieferländer wie Vietnam, Indien und Indonesien zu verzeichnen (Vietnam: +18,0 Prozent auf 199,7 Mio. Euro; Indien: +25,4 Prozent auf 149,8 Mio. Euro; Indonesien: +25,1 Prozent auf 50,8 Mio. Euro).
Handtaschenimporte
Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Deutschland 28,2 Mio. Handtaschen mit einem Wert von 586,5 Mio. Euro eingeführt, was einem Anstieg in der Stückzahl um 7,6 Prozent entspricht (Wert: +8,7 Prozent). Der Durchschnittspreis einer importierten Handtasche betrug 20,77 Euro. Damit ist der durchschnittliche Preis der in Deutschland eingeführten Handtaschen um ein Prozent gestiegen.
Über alle Materialarten hinweg wurden mehr Handtaschen im ersten Halbjahr 2025 eingeführt als im ersten Halbjahr 2024. Zuwächse bei der Einfuhr liegen für Lederhandtaschen und Kunststoffhandtaschen vor (Leder: +12,6 Prozent auf 2,9 Mio. Stück; Kunststoff: +6,0 Prozent auf 12,6 Mio. Stück), aber auch bei Textilhandtaschen ist ein Anstieg in der Stückzahl im Import zu beobachten (Spinnstoff: +8,2 Prozent auf 12,9 Mio. Stück). Gleichzeitig liegt eine Zunahme der Importwerte vor (Leder: +6,5 Prozent auf 287,3 Mio. Euro).
Ausblick
Die gedämpfte Konsumstimmung der Verbraucher aufgrund der konjunkturellen Entwicklung wirkt sich auf die Nachfrage der Branchenprodukte aus. Für Reisegepäckhersteller und bietet der deutsche Markt jedoch Geschäftschancen, insbesondere durch die positiven Entwicklungen im Tourismus. Im Rekordjahr 2024 gab es so viele Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben wie noch nie. Im gesamten 1. Halbjahr 2025 lag die Übernachtungszahl leicht (+0,1 %) über dem bisherigen Höchstwert von 223,1 Mio. im 1. Halbjahr 2024. Im Personenluftverkehr wurden von Januar bis Juni 2025 99,43 Mio. Passagiere an den deutschen Flughäfen gezählt (+2,8%). Nichtdestotrotz ist das Passagieraufkommen in Deutschland 15,7 Prozent unter dem Niveau vor der Coronapandemie.
Damit diese Chancen in Deutschland genutzt und weitere Impulse für die Stärkung der Kaufkraft gesetzt werden können, ist nach Ansicht des HDS/L ein umfassender Bürokratieabbau notwendig. Gleichzeitig verursacht die US-Zollpolitik neben zusätzlichen Kosten und Bürokratie massive Verunsicherung bei den Branchenunternehmen.