„Ich möchte meinen Bericht mit einer guten Nachricht beginnen: Im Jahr 2018 ist der deutsche Einzelhandel erneut gewachsen. Das zum zehnten Mal in Folge. Spüren Sie diese positive Entwicklung?“, fragte Frank Schuffelen die Anwesenden in Hamburg. „Möglicherweise nicht, denn die Herausforderungen im stationären Schuheinzelhandel waren selten so groß wie heute. Die meisten Unternehmen aus der Schuhbranche haben das letzte Jahr nicht positiv abgeschlossen“, fuhr der Finanzvorstand fort. Neben dem Einfluss des Wetters sei entscheidend, wem der Kunde ’gehöre‘. „Der Kampf um die Kundenbeziehung ist seit Jahren entbrannt. Händler, Hersteller und Plattformen, alle konkurrieren um die direkte Kundenschnittstelle. Ich bin davon überzeugt, dass auch in Zukunft der stationäre Einzelhandel sein Alleinstellungsmerkmal behalten kann. Der Kunde schätzt die Problemlösungs-, Aufenthalts- und Ansprachequalität, die derzeit nur der stationäre Einzelhandel bieten kann. Wir müssen uns jeden Tag aufs Neue an den sich wechselnden Anforderungen der Kunden orientieren. Und der Konsument von heute ist informiert, neugierig, ungeduldig und anspruchsvoll“, so Frank Schuffelen.
Schuhbereich entwickelt sich erneut negativ
Pünktlich zum 100-jährigen Bestehen schaute die ANWR Gruppe auf eines der erfolgreichsten Geschäftsjahre zurück. Die Gründe dafür sind nach Angaben von Frank Schuffelen vielschichtig. Eine zentrale Kennziffer der ANWR Gruppe sei das Abrechnungsvolumen. Dieses habe mit 9,5 Mrd. Euro den Spitzenwert des Vorjahres deutlich übertroffen. Während die Eigenverbände ein Wachstum von 2% verzeichneten, lag der Zuwachs im Bereich der Finanzdienstleistungen bei 8%. Zu den Eigenverbänden gehört u.a. die ANWR Schuh. Der Schuhbereich entwickelte sich mit -1,2% erneut rückläufig. „Eine Entwicklung, die seit 4 Jahren anhält“, sagte Frank Schuffelen. Der Sportbereich sei dagegen mit einem Plus von 6,7% erfolgreicher gewesen.
Die ANWR Gruppe erwirtschaftete im vergangenen Jahr handelsrechtliche Umsatzerlöse in Höhe von 564 Mio. Euro. Das entspricht 8% oder 42 Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2018 entfiel ein Anteil von 37% der Umsätze auf die Zentralregulierungsprovisionen. 34 % entfielen auf die Großhandelsumsätze, 18% auf den Einzelhandel (Schuh Mücke) und 11% auf Dienstleistungserträge. Der Jahresüberschuss lag mit 2,1 Mio. Euro leicht über dem Vorjahreswert.
Ausblick auf 2019
Die ANWR entwickelte sich in den ersten fünf Monaten des Jahres 2019 laut Frank Schuffelen „insgesamt zufriedenstellend“. Das Ergebnis habe sowohl positive und als auch negative Merkmale. So liege das Abrechnungsvolumen mit rund 4 Mrd. Euro um 4,6% über dem Vorjahr. „Sowohl die Finanzdienstleistungen als auch die Eigenverbände liegen mit jeweils + 6,3% bzw. + 1,0% über dem Vorjahresniveau. Das hört sich zunächst einmal gut an“, sagte Schuffelen in Hamburg. Mit der Entwicklung im Schuhbereich sei der Vorstand der ANWR allerdings nicht zufrieden. „Der Wert liegt erneut unter dem Vorjahr und noch viel deutlicher unter unseren Erwartungen.“
Darüber hinaus kündigte Schuffelen für den weiteren Jahresverlauf einen Ausbau des Bereichs Finanzdienstleistung an. So habe die Aktivbank Ende des letzten Jahres das Zentralregulierungsgeschäft von der VR Leasing erworben. Bei diesem Portfolio handle es sich um rund 30 Verbände aus den Branchen Baustoffe/Heizung/Sanitär, Möbel, Holz, Elektro und Spielwaren mit einem jährlichen ZR-Volumen von rund 8 Mrd. Euro. Mit diesem Schritt baue die ANWR Gruppe die Marktführerschaft in der bankgestützten Zentralregulierung deutlich aus. Unter Berücksichtigung dieser Übernahme erwarten die Verbundgruppe für das Jahr 2019 ein Abrechnungsvolumen zwischen 14 und 15 Mrd. Euro.
Frank Schuffelen: „Auch wenn diese Zahlen bemerkenswert klingen, verlagern wir mit den gerade beschriebenen Aktivitäten nicht unseren Fokus. Das Gegenteil ist der Fall. Unser Fokus liegt daher mehr denn je in der Aufrechterhaltung und dem Ausbau der Leistungsfähigkeit unserer Mitglieder. Um die Herausforderungen bewältigen zu können, benötigen wir Wachstum und Ergebnisse aus anderen Geschäftsbereichen. Die daraus erwirtschafteten Ergebnisse sind Grundlage dafür, Investitionen in den Kern der Genossenschaft tätigen zu können. Dabei machen uns die Aktivitäten in anderen Märkten und Branchen nicht nur stärker, sondern auch widerstandsfähiger.“