Der österreichische Schuhfachhandel steht vor einer Zuspitzung seiner wirtschaftlichen Lage. Wie eine aktuelle Umfrage der Verbundgruppe Ringschuh zeigt, treffen mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig auf die Branche: ein verhaltenes Konsumklima, rückläufige Kundenfrequenzen, steigende Kosten sowie strukturelle Schwächen in Order- und Datenprozessen.
84 % der befragten Händler bewerten das Konsumklima in der Frühjahr-/Sommersaison 2026 als sehr oder eher verhalten. Knapp zwei Drittel berichten von sinkenden Frequenzen, während fast 80 % rückläufige Umsätze beziehungsweise die schwache Kundenfrequenz als größte aktuelle Herausforderung nennen. Für viele Betriebe bedeutet das: Weniger Kunden betreten die Geschäfte – und jene, die kommen, kaufen zurückhaltender.
Neben konjunkturellen Faktoren verschärfen strukturelle Entwicklungen den Druck. Der Wettbewerb hat sich deutlich verändert und reicht längst über klassische Onlineanbieter hinaus. Plattformlogiken, Direktvertrieb von Marken und neue Technologien wie KI-gestützte Einkaufsprozesse verändern das Kaufverhalten grundlegend. Insbesondere der so genannte „Agentic Commerce“, bei dem digitale Assistenten Produktauswahl und Vergleich übernehmen, könnte den stationären Handel weiter unter Druck setzen. Händler müssen deshalb sicherstellen, dass ihre Sortimente, Daten und Services digital sichtbar und auffindbar sind, argumentiert die Ringschuh.
Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass viele Händler bereits reagieren: Rund 80 % beschäftigen sich intensiv mit Kostenreduktion und Effizienzsteigerung, 77 % mit der Optimierung ihrer Sortimente. Doch das allein reicht laut Studie nicht aus. Entscheidend seien vielmehr drei zentrale Hebel: die ehrliche Bewertung von Standorten und Flächenproduktivität, eine deutliche Verbesserung der Datenqualität sowie eine klare Positionierung gegenüber dem Kunden.
Auch das Orderverhalten signalisiert Zurückhaltung: Über 80 % der Händler planen, ihr Einkaufsbudget für die Frühjahr-/Sommersaison 2027 zu reduzieren, kein Betrieb rechnet mit steigenden Budgets. Kritisiert werden insbesondere starre Ordersysteme, geringe Nachorderoptionen und mangelnde Differenzierung gegenüber Onlinekanälen – hier sehen die Händler auch die Industrie in der Pflicht.
Trotz der angespannten Lage bietet der stationäre Schuhfachhandel weiterhin Chancen – davon ist man bei der Ringschuh überzeugt. Die Stärken des stationären Handels liegen in Beratung, Passformkompetenz, Service und regionaler Nähe – Faktoren, die im Zuge zunehmender Digitalisierung wieder an Bedeutung gewinnen können, wenn sie professionell ausgespielt werden.
Die Umfrage macht jedoch deutlich: Die Branche steht an einem Wendepunkt. Das betont Ringschuh-Geschäftsführer Bernd Grillitsch, ergänzt aber auch die Möglichkeiten seiner Organisation: „Mit unserem umfassenden Ring-Dienstleistungs- und Serviceprogramm für alle österreichischen Marktteilnehmer agieren wir tagtäglich an der Schnittstelle von Handel und Industrie. Es gibt kein allgemein gültiges Konzept von Hamburg bis Wien, keine pauschalen, einfachen Lösungen – wir setzen uns mit jedem Partner ganz individuell und persönlich auseinander – für nachhaltige Lösungen und die Weiterentwicklung der österreichischen Einzelhandelslandschaft.”