Anlässlich des Jubiläums erklärt Felix Schmuck, seit Oktober 2022 Teil der Mücke-Geschäftsführung, welche strategischen Weichen der Filialist zurzeit stellt und was er sich von der Industrie wünscht.
Das Stichwort Total Look wird immer präsenter. Bei Mücke ist Mode traditionell ein Thema. Wie will sich Mücke bei dem Trend positionieren und wie entwickeln sich die Anteiligkeiten?
Felix Schmuck: Der Anteil an Mode steigt langsam, aber stetig an. Perspektivisch werden wir uns in den nächsten Jahren auf einen 50:50-Split zwischen Schuhen und Textilien bewegen. Bei den Stammhäusern in Kulmbach werden wir diese Anteiligkeiten zeitnah erreichen. Wir merken auch, dass Schuhe und Mode häufiger zusammen gekauft werden, um einen Look zusammenzustellen.
Kaufen Ihre Kunden einen Schuh und wollen ein Outfit dazu oder ein Outfit und kaufen den Schuh dazu?
Es gibt die einen, so wie es auch die anderen gibt. Die Kompetenz ist bei Mücke nach wie vor über das Schuhsegment abgebildet, das ist klar. Im Textilbereich gibt es natürlich Modehäuser, die mehr Auswahl und mehr Kompetenz bieten. Trotzdem werden die Stilistiken, die wir anbieten, nicht so sehr durch den Schuh geprägt, sondern durch die Mode. Die Kleidung ist das, was stärker inspiriert, den ersten Eindruck macht über breite Rückwände, während die Schuhe passend zum Mode-Angebot platziert werden.
In den neuen Geschäften soll der Premium-Bereich stärker sichtbar gemacht werden. Soll das Angebot hochwertiger werden?
Wir wollen weiterhin alle bedienen und jeder soll einen Schuh finden: diejenigen, die auf den Preis achten und diejenigen, die das nicht so sehr tun müssen. Aber für die zweite Gruppe soll das Angebot größer werden. Die Deckungsbeiträge und Returns of Investments sind im Einstiegspreissegment natürlich niedriger. Deswegen werden wir im Premium-Segment anbauen und uns im niedrigpreisigen Segment stärker fokussieren. Der große Bauch in der Mitte wird voraussichtlich so bleiben, wie er ist.
Will Mücke das Einkaufsverhalten generell verändern?
Wir haben die Bestände bereits gesenkt und gerade im Bereich Schuhe deutlich weniger Stück eingekauft. Wir sehen dadurch, dass die immer noch immense Anzahl an Schuhen auf der Fläche viel besser zur Geltung kommt. Um die Bestände und damit die Abschreibungen und Reduzierungen weiter zu senken, fokussieren uns seit diesem Frühjahr/ Sommer außerdem noch deutlicher auf NOS. Das hilft auch, das preissensible Segment weiterhin zu bedienen. Da würde ich mir auch von der Industrie mehr Möglichkeiten wünschen. Da gibt es im Vergleich zur Modebranche noch relativ viel Angst davor. Aber ich glaube, dass man von einem guten NOS-Sortiment am Ende sogar mehr kauft, wenn es durchläuft, und dass so auch die Hersteller davon profitieren.
Wie schwierig ist es für Sie, Personal zu finden? Und wie begegnen Sie dieser Herausforderung?
Wir haben – wie die ganze Branche – Probleme damit, Personal zu finden. Ich glaube, dass es für den gesamten Handel das größte Thema der nächsten Jahre sein wird. Es ist uns in den letzten Jahren abhandengekommen, den Beruf des Verkäufers als attraktiv anzusehen. Zu oft wurde despektierlich vom Handel gesprochen: Das tut uns nicht gut und das ist auch nicht richtig. Zu verkaufen ist eine Kunst. Es gibt weniger Nachwuchsprobleme, wenn es um „Glamour-Themen“ wie Einkauf und Jobs in der Zentrale geht. Das zeigt, dass es Unterschiede in der wahrgenommenen Wertigkeit gibt. Es reicht aber auch nicht, nur am Image zu arbeiten und zu sagen, wie wichtig der Beruf ist. Damit sich die Mitarbeitenden in ihrem Job wertgeschätzt fühlen, brauchen sie handfeste Vorteile und natürlich auch eine faire Bezahlung. Bei uns gibt es zum Beispiel Präferenzarbeitszeiten. Wenn jemand an einem Tag oder zu einer Uhrzeit frei haben will, und das frühzeitig angibt, gibt es die 95-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass das möglich gemacht werden kann. Diese Flexibilität erwarten die jungen Generationen. Wichtig ist die Mischung daraus, das Image des Verkäuferjobs zu verbessern, die Mitarbeitenden wertzuschätzen und das auch mit handfesten Benefits spürbar zu machen.
Mücke steht dafür, Innovationen zu testen und als Best Practice auch mit der Branche zu teilen. Gibt es zurzeit Projekte, die Sie testen und auswerten?
Wir machen zurzeit sehr gute Erfahrungen mit unserer 2020 gestarteten Kunden-App, die wir mit dem Dienstleister Hello Again konzipiert haben und haben zuletzt die 200.000 Registrierungen gefeiert. Damit sind wir bisher sehr zufrieden, auch weil wir mit den Daten wirklich arbeiten können und Erkenntnisse für die Fläche sammeln können. Auf Basis der App wollen wir demnächst noch mehr mit personalisiertem Marketing ausprobieren. Wir wollen Marketing weniger mit der Gießkanne betreiben, sondern jedem Kunden die Produkte zeigen, die ihn persönlich interessieren. Gerade die Zielgruppe des angesprochenen Premium-Segments erwartet, persönlicher angesprochen zu werden. Auch Menschen, die gezielt auf Rabatte warten, werden effizienter angesprochen, wenn sie nicht andauernd in der Full-Price-Phase kontaktiert werden.