"Die Chancen für Strauss stehen schlecht", wird Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in der Rheinischen Post zitiert. Das Unternehmen, das rund 1400 Mitarbeiter beschäftigt und deutschlandweit 96 Filialen führt, habe mit seinem Produktmix ein Nischenkonzept, das die Zielgruppe zuletzt nicht mehr erreichen konnte. Hinzu kamen strukturelle Probleme wie z.B. eine nicht ausgereifte Online-Strategie und teilweise Standorte in ungünstigen Lagen. Konkurrenten wie Depot oder Butlers seien zudem nach Expertenmeinung deutlich besser aufgestellt.
Thomas Roeb, der Strauss zu Zeiten des Ex-Geschäftsführers Thorsten Hermelink beraten hatte, sieht auch in den Einkaufsvolumina ein Problem – demnach konkurriere Strauss beim Einkauf mit vielen größeren Unternehmen, die deutlich höhere Rabatte aushandeln können.
Strauss hatte am Donnerstag vergangener Woche ein Schutzschirmverfahren beantragt, im Rahmen dessen die Geschäftsführung mit Hilfe des Sachwalters Andreas Ringstmeier einen Sanierungsplan für Strauss erarbeiten muss. Der Kölner Rechtsanwalt vertritt aktuell auch die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz im Schadenersatzprozess gegen das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim, den Immobilienverwalter Josef Esch und weitere Beteiligte. Unter der Aufsicht des Sachwalters soll nun ein neuer Investor gefunden werden. Ziel ist auch ein neues Ladenkonzept. Ein Stellenabbau und die Schließung von Filialen werden nicht ausgeschlossen.
Derzeit gehört das Unternehmen dem Finanzinvestor Sun Capital.