Wenn Planbarkeit zur Falle wird
Über Jahrzehnte basierte Wirtschaft, so schilderte es der Experte in Düsseldorf, auf einem zentralen Versprechen: Planbarkeit. Sorgfältig planen, Prozesse optimieren, Schwankungen reduzieren, Erfolgsmodelle skalieren. In stabilen Märkten habe dieses Modell hervorragend funktioniert. Doch in Zeiten, in denen sich ganze Branchen in kurzer Zeit verändern, könne Planbarkeit von einem Vorteil zu einer Illusion werden. Hier sieht Andrezak ein wachsendes Problem. Viele Unternehmen seien noch immer wie Verteidigungssysteme organisiert: sehr gut darin, den Status quo zu schützen, aber schlecht darin, mit strukturellen Veränderungen umzugehen. „Wir müssen Resilienz trainieren“, sagte er. „Wir gehen immer davon aus, dass Unternehmen sich schnell verändern können – aber wir trainieren Organisationen nie wirklich darin.“
Viele Organisationen sprächen ständig über Agilität, Anpassungsfähigkeit und Transformation. In der Praxis werde jedoch oft erwartet, dass Veränderung quasi automatisch passiert – als hätten Unternehmen die nötige „Muskelmemory“ bereits. Laut Andrezak ist das nicht der Fall.
Um das zu verdeutlichen, nutzte er ein ungewöhnliches Beispiel: einen professionellen Beatboxer, dessen technische Präzision so hoch ist, dass viele glauben, seine Auftritte seien gefälscht. Was mühelos aussieht, ist in Wirklichkeit das Ergebnis von Tausenden Stunden Training, Wiederholung und Disziplin. Dasselbe, so Andrezak, gelte für Unternehmen. Resilienz sei kein Schlagwort. Es sei eine Fähigkeit – und Fähigkeiten müssen trainiert werden.