Unter Retailaspekten zählt Leipzig im bundesdeutschen Maßstab mittlerweile zu den hochattraktiven Destinationen. Zu dem Schluss kommen der Einzelhandelsspezialist Comfort und der Stadtentwicklungsspezialist CIMA Beratung + Management GmbH im Comfort Insight Leipzig 2025. Der Einzelhandel hat 2024 im Stadtgebiet einen Gesamtumsatz von rund 3,9 Mrd. Euro erwirtschaftet. Anders als in großen Teilen Ostdeutschlands stellt dabei die Innenstadt im lokalen Standortgefüge mit einem Umsatz von knapp 700 Mio. Euro auf einer Verkaufsfläche von rund 170.000 qm rein quantitativ den mit Abstand wichtigsten Einkaufsbereich in der Stadt und der Region dar.
Auch in puncto Qualität des Besatzes könne nach der Umsetzung einer ganzen Reihe von Projektentwicklungen und Revitalisierungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten der Stadt und der Region „kein anderer Einzelhandelsstandort der Leipziger City das Wasser reichen“, so Comfort in einer Mitteilung zur Studie.
Der Einzelhandel agiert hier in einer kompakten innerstädtischen Struktur innerhalb des Innenstadtrings. Er erreicht dabei ein Einzugsgebiet von rund 1,3 Mio. Einwohnern, dies bedeutet mehr als Faktor 2 bezogen auf die eigene Einwohnerzahl. Dementsprechend fällt die Einzelhandelszentralität mit lt. MB Research 102,1 – allerdings nur leicht – positiv aus. Die Einzelhandelskaufkraft der Einwohner hat zwar merklich aufgeholt, bewegt sich in Leipzig (lt. MB Research 93,0) aber immer noch signifikant unter dem Bundesdurchschnitt von 100. Einen spürbaren Ausgleich dazu bietet das sehr hohe Touristenpotenzial.
Allgemein nimmt der Vermietungsmarkt im Einzelhandel deutlich an Fahrt auf, erklärt Andreas Kogge, Partner der Comfort Berlin GmbH: „Im Unterschied zur allgemeinen Entwicklung auf dem Investmentmarkt für Handelsimmobilien hat der zuvor zeitweise eingebrochene Vermietungsmarkt seit Mitte 2021 wieder deutlich an Fahrt aufgenommen.“ 2024 wurde ein Vermietungsergebnis von deutschlandweit sehr beachtlichen rund 500.000 qm erzielt. Den Hintergrund bildet das auf Mieterseite wieder stark gewachsene Vertrauen in die Marktstabilität und mehr Vertrauen in die eigenen Geschäftsmöglichkeiten. Zudem werden auch auf Eigentümerseite die aktuellen Marktrealitäten zunehmend anerkannt. Die Mieten werden nicht mehr ohne weiteres auf das Vor-Corona-Niveau zurückkehren. Gleichzeitig wird aktuell auch ein höheres Maß an Flexibilität bei den Verträgen unter anderem unter den Gesichtspunkten Laufzeiten, Break-Options, Nebenkosten, Indexierungen, Zuschüssen vorausgesetzt.
Der Leipziger Markt profitiert klar von dieser Belebung. Leipzigs Innenstadt zählt sowohl bezogen auf das Thema Einzelhandel, aber auch weit darüber hinaus mit der dortigen Präsenz u.a. von Gewandhaus, Thomaskirche, Nikolaikirche, Museum der bildenden Künste oder der Universität in die erste Reihe der attraktivsten Innenstädte Deutschlands, so das Fazit der Autoren.
Dabei gelten Grimmaische Straße und Petersstraße als wichtigste und bekannteste Einkaufslagen. Die Top-Mieten bewegen sich für kleinere Flächen zwischen 108 bis 132 Euro pro qm. Die Top-Mieten am Markt und entlang der Hainstraße bewegen sich für kleinere Flächen zwischen 86 bis 105 Euro pro qm, während an der Nikolaistraße und am Neumarkt für kleinere Flächen zwischen 36 bis 44 Euro pro qm beziehungsweise 24 bis 30 Euro pro qm erzielt werden.