Nach Angaben der Kreditschützer Alpenländischer Kreditorenverband (AKV), Creditreform und Kreditschutzverband (KSV) ist das Unternehmen mit 7 Mio. Euro überschuldet. Demnach belaufen sich die Passiva auf 7,9 Mio. Euro (davon allein 1,4 Mio. Euro Bankverbindlichkeiten, 1,8 Mio. betreffend verbundene Unternehmen bzw. Gesellschafterdarlehen), die Aktiva auf 920.000 Euro. Rund 120 Gläubiger sollen von der Insolvenz betroffen sein.
Es wurde ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Eine Fortführung des Unternehmens soll beabsichtigt sein. Laut AKV werden bereits Finanzierungsgespräche mit Gesellschaftern geführt. Parallel werde versucht, Investoren bzw. strategische Partner zu gewinnen, um Liquidität zu schaffen.
Die Insolvenzgläubiger sollen eine Quote von 20% ihrer Forderungen erhalten, zahlbar binnen 24 Monaten, nachdem der Sanierungsplan angenommen wurde. Die dafür erforderlichen Mittel sollen unter anderem aus dem operativen Betrieb und der Verwertung des Warenlagers kommen. Für den 11. Januar ist ein Prüfungstermin angesetzt.
Als Grund für den nun erfolgten Schritt gibt das Unternehmen vor allem die Covid-Pandemie und ihre Folgen an. Lange Lockdowns hätten das Geschäftsvolumen verringert und für einen ungeplant hohen Finanzierungsbedarf gesorgt. Dieser habe durch Überbrückungshilfen und die Unterstützung der Gesellschafter jedoch gedeckt werden können.
Letztlich ausschlaggebend für die Insolvenz sollen Unklarheiten eines Rückforderungsanspruchs bei einem Verlustersatz gewesen sein. Die bis September 2023 befristete Betriebsmittelinie habe erneuert werden sollen. Entsprechende Kreditverhandlungen seien kurz vor dem Abschluss gewesen. Dann aber sei das Unternehmen durch das Finanzamt informiert worden, „dass sich im Zuge einer nachträglichen Überprüfung der gestellten Anträge auf Verlustersatz Unklarheiten hinsichtlich der tatsächlichen Förderfähigkeit ergeben“. Folge sei ein Rückforderungsanspruch in Höhe von 1,9 Mio. Euro gewesen. Die neu verhandelte Betriebsmittellinie wäre hierfür nicht ausreichend gewesen. Aufgrund der sich daraus ergebenden Unsicherheiten sei der Kreditvertrag dann nicht abgeschlossen worden. Laut AKV dürfte Richter damit aktuell über keinen Betriebsmittelrahmen verfügen.
Die Ferdinand Richter GmbH wurde 1893 gegründet. Der offizielle Unternehmenssitz befindet sich im oberösterreichischen Pasching. Die Geschäftsführung arbeitet von Graz aus.
Kommanditisten der Ferdinand Richter GmbH & Co. KG sind Mag. Georg Kapsch, Dr. Thomas Ridder und die Traditio-Privatstiftung. Das Unternehmen ist Alleingesellschafterin der in München ansässigen Jela Schuhe GmbH, sowie der in der Slowakei sitzenden Richter Slovakia, die Logistik, Vertrieb und Teile der Produktion übernimmt.
20 Mitarbeitende sind bei Richter beschäftigt, davon vier in Deutschland. Die wichtigsten Absatzmärkte sind laut AKV Deutschland, Österreich, die Schweiz und Ungarn.
Geschäftsführer Josef Renner erklärt gegenüber schuhkurier, dass das Unternehmen in den zurückliegenden Saisons eine gute Richtung eingeschlagen habe. Mehr als 100 Neukunden habe man gewinnen können und für F/S 2024 eine erfreuliche Auftragslage zu verzeichnen. „Ich bin positiv“, so Renner. „Die Strategie, Qualität zum Bestpreis anzubieten, hat sich als sehr erfolgreich erwiesen.“ Man habe zudem pünktlich geliefert.
Nun muss zeitnah eine Lösung für Richter gefunden werden. Ab Dezember entsteht für den Schuhhersteller ein erhöhter Kapitalbedarf – dann werden die Materialien für die F/S-Ware geliefert. Ab Anfang Februar sollen die Schuhe an den Handel ausgeliefert werden.