schuhkurier: Herr Natter, Sie haben bei Ihrer offiziellen Verabschiedung anlässlich der GDS gesagt, Sie verlassen das Unternehmen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Warum das weinende Auge?
Robert Natter: Meine Zeit bei der Garant war spannend und geprägt von Entscheidungen – leichten und schweren. Dass alles schließlich gelungen ist, war nicht die Leistung eines Einzelnen, sondern es war die Leistung eines ganzen Teams. Auf dieses Team habe ich mich immer verlassen können. Das war für mich auch ein Teil der Motivation. Das Team hat funktioniert. Die Zusammenarbeit habe ich als extrem gut empfunden. Das hat mir geholfen, mich zu konzentrieren. Ich musste mich nie mit internen Intrigen oder Eifersüchteleien beschäftigen.
schuhkurier: Sie kamen als Branchenfremder zur Garant. War das ein Vorteil? Robert Natter: Wenn ein Personalberater einen Branchenkenner mit Erfahrung in der Restrukturierung gesucht hätte – nichts anderes war ja letztlich meine Aufgabe – dann wäre ich im Vorfeld durchgefallen. Ich hatte keine Expertise vorzuweisen, die mich für die im Zuge der Insolvenz notwendigen Maßnahmen gewappnet hätte. Mein beruflicher Lebenslauf wies für diese Aufgaben keine relevanten Stationen auf. Als ich mich im Jahr 2004 für das Unternehmen entschied, habe ich die Konsequenzen nicht überblickt. Auch nicht, als der Aufsichtsrat mir im Juli 2004 nahelegte, die Probezeit zu verkürzen. Mir war zwar eine problematische Situation damals durchaus bewusst, nicht aber der wirkliche Ernst der Lage. Ich habe das Angebot – und die Verantwortung – angenommen. Im übrigen war die geringe Branchenkenntnis Vor- und Nachteil zugleich: Ich konnte völlig unbelastet auch unbequeme Fragen stellen, aber ich konnte keinen klüger machen.
schuhkurier: Wie wird Handel aus Ihrer Sicht in zehn Jahren aussehen?
Robert Natter: Es wird meines Erachtens viele Kanäle der Warenversorgung geben. Die Konzentration der Handelsflächen in den Städten wird zunehmen. Die Beherrschung der supply chain wird zum Erfolgsfaktor werden mit der möglichen Auswirkung auf Bestellfristen, Individualisierung von Produkten u.a. Ich kann mir vorstellen, dass neben der Bedeutung von Onlinehandel und Einkaufscentern, die wegen ihrer Zweckmäßigkeit eher der Bedarfsdeckung dienen, das Angebot ergänzt wird durch Geschäfte, die das Besondere herausstellen. Selbstverständlich wird die virtuelle Anprobe, der Spontankauf aufgrund eines gescannten Fotos u.a. das Einkaufsverhalten der Kunden verändern. Ich glaube, dass das Verschmelzen von online und offline keine zehn Jahre mehr vor uns liegt.
Das vollständige Interview mit Robert Natter lesen Sie in schuhkurier Ausgabe 15.