Während der Sektor vor vier Jahren noch einen Handelsüberschuss von 500 Mio. US-Dollar verzeichnete, übersteigen die Importe die Ausfuhren inzwischen um das 1,7-Fache. Für das Gesamtjahr 2026 erwarten Branchenvertreter der Türkiye Ayakkabı Sanayicileri Derneği (TASD) Exporte von maximal 900 Mio. US-Dollar – weit unter dem eigentlichen Potenzial von geschätzten 2 Mrd. US-Dollar.
Zwar zeigen von der Regierung beschlossene Schutzmaßnahmen Wirkung im Binnenmarkt – so sanken die Importvolumina in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 um 25 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum –, die grundlegenden Strukturprobleme im Export bleiben jedoch bestehen. Branchenexperten wie der Vizepräsident des Leder-Exporteurverbands İDMİB verweisen darauf, dass reine Importbeschränkungen die Hauptursache nicht beheben würden: Durch stark gestiegene Produktionskosten verliere die Industrie ihre Preisattraktivität auf den internationalen Märkten.
Der anhaltende Rückgang der Produktionsmengen setzt auch lang etablierte Unternehmen der Lieferkette unter Druck. Erst kürzlich gewährte das Handelsgericht Istanbul vier Gesellschaften der seit den 1950er-Jahren aktiven Bueno-Gruppe einen einjährigen Moratoriumsschutz im Rahmen eines Konkursverfahrens.
Trotz der Krise verbleibt Italien dank der Stärken im Bereich Design und Preis-Leistungs-Verhältnis der wichtigste Exportmarkt für türkische Schuhwaren. Die Leder- und Schuhindustrie stellt mit rund 56.000 Beschäftigten weiterhin einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor dar und belegt europaweit den dritten Rang in der Lederproduktion.