Die deutsche Schuhindustrie positioniert sich klar gegen die aktuelle Ausgestaltung der geplanten EPR-Regelung für Textilien und Schuhe. Bei einem Treffen im Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens (PFI) diskutierten Branchenvertreter mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Florian Bilic über die Umsetzung der EU-Vorgaben in nationales Recht.
Die neue Regelung sieht vor, dass Hersteller künftig die Kosten für Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung und Entsorgung ihrer Produkte tragen. Während die EU-Richtlinie bis Juni 2027 umgesetzt werden muss, sollen entsprechende Systeme spätestens ab April 2028 greifen.
Aus Sicht der Branche drohen jedoch erhebliche Belastungen. „Die Schuhindustrie bekennt sich klar zur Kreislaufwirtschaft und zu nachhaltigen Lösungen. Aber das EPR-System in der aktuell diskutierten Form droht vor allem eines zu werden: teuer, komplex und praxisfern“, moniert der HDS/L-Vorsitzende Carl-August Seibel. Besonders mittelständische Unternehmen könnten durch zusätzliche Kosten und bürokratische Anforderungen unter Druck geraten. „Die Finanzierung von Rücknahme-, Sammel- und Verwertungssystemen soll künftig direkt auf Hersteller umgelegt werden. Gerade für mittelständische Schuhunternehmen bedeutet dies erhebliche Mehrkosten, die am Ende zwangsläufig auf Verbraucherpreise durchschlagen werden“, so Seibel weiter.
Kritik kommt auch an der fehlenden Differenzierung zwischen Textilien und Schuhen. „Das kürzlich veröffentlichte Eckpunktepapier des Bundesumweltministeriums ist noch nicht ausgereift. Ein Schuh ist kein T-Shirt. Der Aufbau eines Schuhs ist wesentlich komplexer und besteht aus vielen verschiedenen Bestandteilen. Es ist unabdingbar, Textilien und Schuhe klar voneinander zu trennen“, betont Cder ads-Vorsitzende Andreas Tepest.
Auch aus Forschungsperspektive wird Anpassungsbedarf gesehen. „Die Umsetzung von Kreislaufwirtschaft bei Schuhen ist technisch anspruchsvoll, weil Schuhe aus vielen unterschiedlichen Materialien, Verbundstrukturen und Fügetechniken bestehen. Aus Sicht des PFI ist wichtig, dass Mittel aus einem EPR-System für Schuhe auch gezielt zur Forschung und Weiterentwicklung praxisnaher Lösungen im Schuhbereich beitragen.“, erklärt Prof. Dr. Günter Schell, Institutsleiter des PFI.
Der Bundestagsabgeordnete Florian Bilic zeigte Verständnis für die Anliegen der Branche: „Die ersten Gespräche nach Veröffentlichung der Eckpunkte zeigen, dass die Umsetzung der EPR-Regelung einige komplexe Fragestellungen mit sich bringt. Außerdem müssen Schuhe und Textilien aufgrund ihrer Eigenschaften unterschiedlich betrachtet werden. Es gilt nun gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit praxistauglich in Einklang bringen.“
Neben der inhaltlichen Ausgestaltung fordert die Branche vor allem eine europaweite Harmonisierung der Systeme. „Wir benötigen ein EPR-System mit Augenmaß: schlanke Verwaltungsprozesse, harmonisierte Systeme und Prozesse zwischen den EU-Mitgliedsstaaten und faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber außereuropäischen Importeuren“, so HDS/L-Hauptgeschäftsführer Torben Schütz. Abschließend warnt er vor negativen Auswirkungen auf die Nachfrage: „Am Ende ist es doch so: Kreislaufwirtschaft macht nur Sinn, wenn der Kunde das Produkt annimmt und es bezahlbar ist.”