Die Anteile der Schuhe aus Portugal sind laut Sioux schon seit mehreren Saisons rückläufig. In der letzten Saison seien nur noch 50.000 Schuhpaare in Portugal gefertigt worden. Die Gesamtproduktionsmenge des Unternehmens wird mit 600.000 Paar pro Jahr beziffert. In Portugal habe in den letzten Jahren vorwiegend noch Endmontage stattgefunden; die Schäfte seien bereits seit fast zehn Jahren international zugespeist worden.
Mit diesem Schritt verabschiedet sich Sioux nun komplett aus Portugal. Die dort wegfallenden Volumina sollen von den anderen Sioux-Partnerwerken, vorwiegend in Südindien, übernommen werden. Dort arbeitet Sioux seit fast 50 Jahren mit zwei Partnern zusammen, die inzwischen in zweiter Generation geführt werden. In Indien war Sioux nach eigenen Angaben 1972 ’Pionier‘, als man zusammen mit lokalen Partnern Produktionsfirmen nach deutschen Qualitäts- und Sicherheitsnormen aufbaute. Sioux habe dabei von Anfang an mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog höchste Maßstäbe hinsichtlich der einzuhaltenden Arbeits-, Umwelt- und Sozialstandards gesetzt.
„Alternativloser Schritt“
„Für uns stellt die Schließung des Werkes in Portugal einen schmerzhaften, aber alternativlosen Schritt dar“, so Lewin Berner, CEO der Sioux-Gruppe. „Der Strukturwandel und insbesondere die Digitalisierung in der Branche machen es notwendig, dass Unternehmen ihre Kostenstrukturen auf Vordermann bringen.“ Der Handel sei extrem unter Druck und gebe diesen Druck auch an die Industrie weiter. Der Wettbewerb werde intensiver, es würden langfristig daher nur diejenigen Unternehmen eine Existenzberechtigung haben, die nicht nur durch innovative Kollektionen und perfekte Wareninhalte überzeugen und die sowohl markenstrategisch und vertrieblich top aufgestellt seien, sondern es würden nur diejenigen Unternehmen Bestand haben können, die besonders schlank und effizient wirtschafteten.
„Werke in Indien deutlich besser als portugiesisches Werk“
Adnan Bilgi, Geschäftsführer für Beschaffung, Logistik und Kollektion in der Sioux-Gruppe, erklärt: „Inzwischen haben sich unsere internationalen Partner hinsichtlich ihrer Qualitäts- und Produktivitätskennziffern sehr gut entwickelt, auch dank unserer Techniker, die dort permanent vor Ort sind. In den Jahren 2017 und 2018 lagen die internationalen Partner-Werke in ihren Qualitätskennziffern deutlich besser als unser portugiesisches Werk. Durch die Bündelung der Produktionsvolumina auf die erfolgreichen internationalen Partner nehmen wir sehr viel Komplexität aus unserem Geschäft und werden so in der Zukunft noch leistungsfähiger und schlagkräftiger.“
Optimistischer Blick auf Geschäftsjahr 2019
Insgesamt blicke man optimistisch auf das Geschäftsjahr 2019. „Wir sehen die Digitalisierung als großartige Chance für uns. Denn bei allem Effizienzdruck ergeben sich dadurch gerade für kleine, flexible und agile Unternehmen tolle Wachstumsmöglichkeiten im In- und Ausland, die es so früher nicht gab,“ so Lewin Berner weiter. Das erste Quartal 2019 sei sehr gut verlaufen. Auch die Kooperation mit Til Schweiger habe die Erwartungen deutlich übertroffen und der Marke zu einem starken Nachfragepush verholfen. Mit Til Schweigers ältester Tochter, Luna Schweiger, werde aktuell an einer Damenkollektion gearbeitet. Die Grashopper-Kollektion mit den neuen sportlichen Sohlen habe in der laufenden Saison deutlich in den Abverkäufen angezogen. Der Hineinverkauf der H/W 2019 Saison laufe gut und sei den Erwartungen entsprechend.
150 Mitarbeiter betroffen
Laut dem Online-Bericht des portugiesischen Mediums ’JN‘ vom 6. Mai sind 150 Mitarbeiter von der Schließung betroffen. Auf schuhkurier-Anfrage erklärt Sioux, die Mitarbeiter vor Ort seien im Rahmen einer Betriebsversammlung informiert worden. Bei dem Werk handelte es sich laut Sioux um die Tochter einer Schwestergesellschaft. Das portugiesische Werk sei vor einigen Jahren bereits verselbständigt worden und habe nicht nur für die Sioux-Gruppe Schuhe gefertigt.