Die laufende Tarifrunde im Einzelhandel sowie im Groß- und Außenhandel droht zu eskalieren: Nachdem die Arbeitgeberverbände in den ersten Verhandlungsrunden kein Angebot vorgelegt hatten, liegen nun erste Vorschläge für Hamburg und Nordrhein-Westfalen auf dem Tisch. Diese stoßen bei der Gewerkschaft Verdi auf scharfe Kritik.
Silke Zimmer, Verdi-Bundesvorstandsmitglied, bewertet die Offerte so: „Das sind vergiftete Angebote, die die Arbeitgeber uns da gerade machen: 3,5 % bei einer Laufzeit von 24 Monaten! Das gleicht noch nicht einmal die Inflation aus und hilft bei den akuten Preissteigerungen nicht! Diese Unverschämtheiten lassen wir uns nicht bieten. Deshalb treten am Freitag die Beschäftigten bundesweit in Aktion und bestreiken erste Betriebe.“
Geplant sind Streikkundgebungen unter anderem in Frankfurt am Main, Hamburg, Stuttgart und Dortmund. In Dortmund will Silke Zimmer selbst zu den Streikenden sprechen.
Konkret sehen die Angebote der Arbeitgeber eine sechsmonatige Nullrunde sowie gestaffelte Erhöhungen vor: zwei Prozent ab November 2026 und weitere 1,5 % ab August 2027. Für Verdi ist das nicht akzeptabel. „Erst eine lange Nullrunde und dann ein niedriges Angebot – das bedeutet für die Beschäftigten eine Lohnsteigerung von de facto einem Prozent und damit einen weiteren Reallohnverlust. Das ist eine Frechheit und zeugt nicht von Wertschätzung und Anerkennung gegenüber der Arbeit, die die Handelsbeschäftigten jeden Tag im Betrieb leisten“, so Zimmer.
Die Gewerkschaft verweist zudem auf die steigenden Lebenshaltungskosten, die viele Beschäftigte bereits stark belasten. „Die Beschäftigten kommen schon jetzt kaum über die Runden. Da wird die Fahrt zur Arbeit zu einer finanziellen Herausforderung. Miete, Energie und Lebensmittel fressen die Löhne vollkommen auf. Wenn die Arbeitgeber das weiterhin stur ignorieren, dann handeln sie völlig verantwortungslos! Daher kämpfen wir für faire Entgeltsteigerungen“, erklärt Zimmer weiter.
Die nächsten Verhandlungstermine stehen bereits fest: Am 18. Mai wird sowohl für den Einzelhandel in Hessen als auch für den Groß- und Außenhandel in Nordrhein-Westfalen weiterverhandelt. Verdo fordert weiterhin eine Entgelterhöhung von sieben Prozent, mindestens jedoch 225 Euro.