Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat angekündigt, dass die Arbeitgeberseite bei den Tarifverhandlungen für den Einzelhandel keine weiteren Verhandlungstermine wahrnimmt, bis ein Spitzengespräch auf Bundesebene abgehalten wurde. In den letzten Monaten habe es 60 Verhandlungstermine gegeben, in denen es keine Einigung gab. „Als Arbeitgeber hatten wir bereits zum Verhandlungsauftakt ein Angebot gemacht, das wir dann noch mehrfach nachgebessert haben“, so HDE-Tarifgeschäftsführer Steven Haarke. Das aktuelle Angebot der Arbeitgeber sieht einen Tarifvertrag über 24 Monate Laufzeit mit einer Anhebung der Tarifentgelte von mindestens 10% in zwei Stufen sowie zusätzlich eine steuer- und abgabenfreie Inflationsausgleichsprämie von insgesamt 750 Euro vor. In dem Spitzengespräch soll eine Grundlage für neue Termine vereinbart werden. Die Gewerkschaft Verdi fordert in den Verhandlungen eine Erhöhung der Entgelte von 13%, mindestens aber 400 Euro, die Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 250 Euro und eine Vertragslaufzeit von 12 Monaten.
Verdi sieht die Ankündigung, bereits terminierte Verhandlungsrunden abzusagen, als skandalöses Verhalten an. „Der HDE-Vorschlag, die Gespräche in den regionalen Tarifrunden zu beenden und lediglich ein sogenanntes Spitzengespräch mit den Konzernvertretern zu führen – also mit genau den Personen, welche bislang monatelang eine Verbesserung der Angebote in den Tarifverhandlungen auf Arbeitgeberseite verhindert haben – ist skandalös und ein einmaliger Vorgang in der Tarifgeschichte,“ sagte Silke Zimmer, für den Handel zuständiges Verdi-Bundesvorstandsmitglied: „Streiks im Weihnachtsgeschäft werden damit nahezu unausweichlich.“ Verdi wolle sich einem Spitzengespräch nicht verweigern, jedoch nur unter der Voraussetzung, dass die bereits vereinbarten Termine durchgeführt werden.