Wenn die energieintensiven Unternehmen der Branche aufgeben müssten, breche die textile Herstellungskette insgesamt zusammen. Dies war eines der Themen beim Medientag Textil, den der Gesamtverband Textil + Mode zusammen mit dem Verband der Bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie e.V. am 14. September im oberfränkischen Kulmbach veranstaltete. Bernd Drechsel, Geschäftsführer der Textilveredlung Drechsel, schilderte in diesem Zusammenhang die Dramatik der Lage: „Die hohen Energiepreise können nicht mehr am Markt erwirtschaftet werden, die Unternehmen sind nicht mehr wettbewerbsfähig.“
Anhand konkreter Beispiele zeigten Branchenvertreter, wie die Unternehmen mit eigener nachhaltiger Energieerzeugung bereits innovative Wege gehen. Dies reiche aber nicht aus, um im Ansatz noch wirtschaftlich am Standort Deutschland produzieren zu können. Es brauche Planbarkeit und wettbewerbsfähige Energiepreise. Mit den höchsten Energiepreisen weltweit, die auch durch zahlreiche rein nationale Abgaben verursacht seien, werde Deutschland die Transformation nicht stemmen und laufe in eine Abhängigkeitsfalle, was seine Lieferketten angeht. Dies bedeute das Aus für den Industriestandort Deutschland.
Wie wichtig bei der Produktion von Spezialtextilien der verantwortungsvolle Einsatz von Chemikalien ist, war ebenfalls ein Schwerpunktthema des Medientages. Formuliert wurden klare Botschaften in Richtung Berlin und Brüssel: Es könne nicht sein, dass das Verbot zehntausender chemischer Stoffe in der EU dazu führt, dass wichtige Schutztextilien oder Teile für die Industrie, wie textile Verstärkungen für Windradflügel oder Membrane für Wärmepumpen, nicht mehr in Europa produziert werden können. Dies zerstöre eine ganze Branche, die in ihren Regionen für Wertschöpfung, gute Arbeitsplätze und Ausbildung sorge.