Rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Handel, Politik, Verwaltung, Wissenschaft, NGOs und der Entsorgungswirtschaft sind der Einladung des Gesamtverbands Textil + Mode, GRS PRO Textil und der Stiftung GRS zur Deutschen Umwelthilfe (DUH) zum zweiten Stakeholder-Dialog in Berlin gefolgt. Diskutiert wurde die nationale Umsetzung der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien – ein zentraler Baustein für funktionierende textile Kreisläufe.
Der Verband machte erneut deutlich: Die Branche ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und ein effektives Rücknahme- und Verwertungssystem mitzugestalten. Gleichzeitig warnte Hauptgeschäftsführer Uwe Mazura vor überbordender Bürokratie: „Unsere Unternehmen brauchen Entlastung, Planungssicherheit und klare Ziele – keine neuen, teuren und ineffektiven Systeme. Wenn wir in Deutschland und Europa wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen wir Bürokratie abbauen und EPR so gestalten, dass es wirtschaftlich machbar bleibt. Die Hersteller dürfen in einem solchen System nicht nur als Zahlstelle auftreten.“
Kritisch bewertet die Branche vor allem die fehlenden Zielvorgaben der EU. Zwar besteht eine Verpflichtung zur Einführung eines EPR-Systems, doch bislang fehlen konkrete Umweltziele sowie geeignete Indikatoren zur Erfolgsmessung. Das sorge für Unsicherheit und berge das Risiko, dass nationale Regelungen ineffektiv oder rein kostensteigernd wirken.
„Es reicht nicht, Sammelquoten oder ineffiziente Strukturen aus anderen Abfallströmen zu übernehmen, die dort schon kaum ökologische Wirkung entfalten“, betont Jonas Stracke, Kreislaufexperte beim Gesamtverband Textil + Mode. „Entscheidend ist, was nach der Sammlung passiert: Sortierung, Verwertung, Qualität der Stoffströme. Nur wenn diese Strukturen funktionieren, schafft EPR tatsächlich ökologische Wirkung – und nicht nur mehr Bürokratie.“
Die Umsetzung in Deutschland müsse deshalb praxisnah erfolgen und sich am Know-how der Branche orientieren. Der Gesamtverband will den Prozess bis zur vollständigen Einführung des EPR-Systems im April 2028 weiterhin aktiv begleiten. Die nächste Runde des Stakeholder-Dialogs ist für das kommende Jahr geplant. Alle Akteure sind eingeladen, sich konstruktiv in die Entwicklung einzubringen.