Die Magazino-Geschäftsleitung von links nach rechts: Lukas Zanger (COO), Dr. Moritz Tenorth (CTO), Guido Reinecke (CFO), Frederik Brantner (CEO) (Foto: Magazino)
Magazino arbeitete mehrere Jahre lang an dem Konzept, bevor der erste Kunde gefunden war. Was sich erst in der Praxis verbessern ließ, war die geschmeidige Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. „Einfach nur zu den Mitarbeitern gehen und sagen, das ist dein neuer Kollege, reicht dann doch nicht“, blickt Bielmeier zurück: „Wie die Menschen im Lager arbeiten ist sicherlich der Bereich, in dem Magazino durch die Praxis am meisten gelernt hat. Man denkt, im Lager ist alles ordentlich und statisch. Aber da ist doch immer alles in Bewegung und es tut sich immer wahnsinnig viel.“ Die Mitarbeitenden erhalten deswegen ein Training, wenn die Roboter eingeführt werden: „Wir müssen ihnen erstmal die Angst nehmen. Wenn ein zwei Meter großer Roboter auf einen zu fährt, muss man erst lernen zu vertrauen, dass der dann auch wirklich langsamer wird.“ Sie müssen dafür sensibilisiert werden, die Schuhkartons auch wirklich gerade in die Regale zu schieben und ordentlich wieder hineinzuschieben, wenn mal ein Karton herunterfällt.
Dazu kommen Erklärungen für einen schonenden Umgang mit den Geräten, um sicherzustellen, dass die Geräte auch so lange funktionieren wie versprochen. Als Return of Invest wird für den westeuropäischen Markt ein Zeitraum von zwei bis drei Jahren angepeilt. Die Roboter sollen mindestens zehn Jahre halten und sechs Jahre nach dem Produktstart fahren noch alle verkauften Roboter problemlos, nur kleine Schäden mussten repariert werden.
Unterschätzt hat Magazino auch die Vielfalt der Schuhkartons, an die sich die Roboter anpassen müssen. Das Unternehmen begann mit dem Entwurf eines auf Schuhkartons spezialisierten Roboters, in der Annahme, dass das ein relativ standardisierter Bereich sei. „Wir hatten ja keine Ahnung, wie viele Schuhkartons es gibt. Kartons mit losen Deckeln, Kartons mit Loch zum Herausziehen, Kartons zum Aufklappen“, erinnert sich Bielmeier. Doch durch die Erfahrungen mit den verschiedenen Kartonmodellen vom Kinderschuh zum Langschaftstiefel und markenspezifischen Eigenheiten konnte die künstliche Intelligenz hinter den Robotern immer mehr Lösungswege zum Bewältigen der Aufgaben im Lager sammeln. Das komplett erworbene Wissen findet sich auch im neuen Produkt wieder, welches Magazino dieses Jahr auf der Logimat das erste Mal präsentierte. Sotu soll in der produzierenden Industrie sogenannte Kleinladungsträger, Lagerkisten im Montagebereich, transportieren und dabei keine Probleme mit verschiedenen Größen haben.