Vor den anstehenden Tarifverhandlungen für den Handel haben sich die Tarifkoordinierungskonferenzen für den Groß- und Außenhandel sowie für den Einzel- und Versandhandel der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Branche beraten und eine gemeinsame Orientierung für die Tarifrunde verabredet. Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach Einkommenssteigerungen, die deutlich über der Inflation liegen. „Die Beschäftigten in den Betrieben sind kampfbereit. Zentral für alle ist der Anschluss an die Löhne in anderen Branchen. Hier sind die Arbeitgeber in der Verantwortung, weil der Bruttodurchschnittsverdienst im Einzelhandel deutlich unter dem Bruttodurchschnittsverdienst der Gesamtwirtschaft liegt und ein Großteil von Beschäftigten akut von Altersarmut bedroht ist“, so Silke Zimmer, Verdi-Bundesvorstandsmitglied, zuständig für den Handel. Ab April 2026 beginnen dann die Tarifverhandlungen für die rund 5,2 Mio. Beschäftigten im Handel, davon 3,4 Mio. Beschäftigten im Einzelhandel und 1,8 Mio. im Groß- und Außenhandel.
„Die Verhandlungen finden in stürmischen Zeiten statt, in denen Arbeitgeber unbezahlte Karenztage und längere Arbeitszeiten fordern, die Politik soziale Verschärfungen ankündigt und die Kanzlerpartei Teilzeit-Beschäftigte mit dem Label ’Lifestyle-Teilzeit‘ der Faulenzerei bezichtigt. Dabei wissen die Beschäftigten im Handel nur zu gut: Teilzeit ist dort meist erzwungen, was ebenfalls zu niedrigen Löhnen und leider auch zu niedrigen Renten führt“, sagte Zimmer. Derzeit würden laut Verdi die meisten Beschäftigten im Handel 70 % ihres Einkommens für Miete, Lebensmittel und Energieversorgung verwenden. Nach Abzug der Fixkosten haben die Handelsbeschäftigten so gut wie kein freiverfügbares Einkommen. Die Grundversorgung frisst praktisch das ganze Geld auf. „Deshalb braucht es dringend steigende Einkommen, damit die Beschäftigten auch Geld zur Verfügung haben, etwa für Bildung, Gesundheit, Rücklagen oder – wie von der Politik gefordert – um fürs Alter zusätzlich vorzusorgen“, sagte Zimmer.