Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi hat für diese Woche erneut zu flächendeckenden Streiks im Handel aufgerufen. Betroffen sind Betriebe in allen Bundesländern, sowohl im Einzelhandel als auch im Groß- und Außenhandel. Am Donnerstag und Freitag werden Tausende Beschäftigte erwartet, begleitet von zentralen Kundgebungen unter anderem in Kiel, Erfurt, Berlin, Bochum und Saarbrücken.
Hintergrund ist die laufende Tarifrunde für mehr als fünf Millionen Beschäftigte im Handel. Aus Sicht der Gewerkschaft sind die bisherigen Angebote der Arbeitgeber unzureichend. „Das bedeutet Kaufkraftverlust mit Ansage“, erklärte Verdi-Vorständin Silke Zimmer. „Das lassen die Beschäftigten nicht mit sich machen.“ Mit der Ausweitung der Streiks solle der Druck erhöht werden, um ein verhandlungsfähiges Angebot zu erreichen.
Die Forderungen von Verdi umfassen eine Entgelterhöhung von sieben Prozent, mindestens jedoch 225 Euro monatlich bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeberseite bleibt bislang deutlich darunter. Im Groß- und Außenhandel wird eine Erhöhung von insgesamt 3,4 % bei längerer Laufzeit angeboten, im Einzelhandel gestaffelte Anpassungen von insgesamt 3,5 % über zwei Jahre.
Für zusätzlichen Konfliktstoff sorgt die wirtschaftliche Lage der Branche. Laut Verdi verzeichnen Handelsunternehmen hohe Gewinne. „Die Handelskonzerne stehen wirtschaftlich hervorragend da, haben bei Umsatz und Gewinn zugelegt – und die Beschäftigten, die diese Ergebnisse mit ihrer Arbeit erst ermöglichen, sollen mit Lohnverlusten abgespeist werden. Das ist eine bodenlose Frechheit“, so Zimmer weiter. Auch bezeichnete sie die Angebote der Arbeitgeber als „schlicht unverschämt“.
Gerade für viele Beschäftigte im Handel bleibe die Situation angespannt. Trotz harter Arbeitsbedingungen und häufig unfreiwilliger Teilzeit reiche das Einkommen oft kaum aus. Die reale Kaufkraft liege weiterhin unter dem Niveau von 2020.