Alexander von Preen geht in dem Interview davon aus, dass dieses Jahr deutschlandweit 4.500 Geschäfte schließen werden. Das würde die Leerstände weiter sichtbar machen, nachdem 2024 rund 5.000 Läden geschlossen wurden. Von Preen begründet das mit der Kaufzurückhaltung infolge des Krieges in der Ukraine sowie dem Demografieproblem im Handel. Auch gut laufende Läden würden oftmals keinen Nachfolger finden. Um diese Entwicklung umzukehren, wünscht er sich eine Anpassung der Mietmodelle. Es brauche mehr umsatzbasierte Mieten, damit die Geschäfte diese auch zahlen können. Die Städte müssten an ihrer Attraktivität arebiten. Außerdem müssten sich Investitionen für Unternehmen wieder lohnen, so von Preen: „Und dafür braucht es Anreize, konkret mit einer Sonderabschreibungsmöglichkeit für Investitionen. Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass Investitionen in den Ladenbau, die Digitalisierung, in die Renovierung von Fassaden, aber auch der Einbau neuer Heizungs- und Klimatechnik steuerlich begünstigt werden könnten. Das würde es für den Unternehmer lukrativer machen und so würde privates Investitionskapital generiert werden. Wir können schließlich nicht alles über öffentliche Schulden und staatliche Subventionen finanzieren.“
Er nimmt die Politik außerdem in die Pflicht, wenn es darum geht, die Geschäftspraktiken von Temu und Shein zu unterbinden. Während EU-Unternehmen zur Einhaltung von hohen sozialen Standards gedrängt werden würden, könnten chinesische Plattformen diese ungestraft umgehen und hätten damit einen unfairen Wettbewerbsvorteil: „Die EU hat das mehrfach festgestellt und muss jetzt dringend handeln. Im Moment kann man leider nur ein Staatsversagen feststellen.“ Den Vorschlag von SPD und CDU, die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu ersetzen, hält er für hilfreich: „Auch unsere Mitarbeiter wünschen sich mehr Flexibilität. Zudem wäre es ein wichtiger Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das wäre eine Win-Win-Situation. Deshalb finde ich, dass wir hier mutiger werden müssen. Zumal der Vorschlag EU-Recht entspricht.“