Droht die Luxuskrise? Auf den ersten Blick nicht: Wer in den zurückliegenden Wochen auf der Düsseldorfer Kö unterwegs war, konnte – vor allem samstags – lange Schlangen vor Louis Vuitton beobachten. Die Tasche mit dem berühmten Emblem scheint weiter heiß begehrt. Dafür wird geduldig gewartet, egal bei welchem Wetter.
Aber es droht Ungemach für den Luxus-Sektor. Medien wie Handelsblatt, Der Spiegel und das Manager Magazin sprechen aktuell von einer Krise in der Luxusbranche. Der Spiegel zitiert die Unternehmensberaterin Marie-Therese Marek von Bain mit der Einschätzung, der Luxusmarkt sei nach zwei Rekordjahren nun in einer Normalisierungsphase. Die Marken hätten bis vor Kurzem von der Internationalisierung profitiert. Wer es sich leisten konnte, kaufte sich die Prada- oder Gucci-Tasche trotz Inflation. Und vor allem in Asien – insbesondere in China – schien die Nachfrage nicht zu sinken. Jetzt aber schwächelt die Konjunktur im Reich der Mitte, vor allem die Mittelschicht tut sich schwer und junge Menschen leiden unter einer hohen Arbeitslosenquote. Auch in den USA haben Verbraucherinnen und Verbraucher den Konsum im Luxusbereich zurückgefahren. In Europa bleibt das Business aktuell – auch getrieben vom Tourismus – stabil.
Als weiteres Problem nennt Der Spiegel die Preispolitik einiger Marken. Die Preise waren teils so stark gestiegen, dass sie schlicht nicht mehr bezahlbar waren. Teilweise haben Marken ihre Preise aufgrund der mauen Nachfrage inzwischen wieder gesenkt. Auf der anderen Seite haben Marken wie Chanel und Dior versucht, auch in den Markt der Ober- und Mittelschicht vorzudringen, etwa mit vergleichsweise erschwinglichen Produkten wie Lippenstiften und Parfums. Ein Spagat, der sich jetzt nachteilig auswirken könnte.
Denn nicht alle Marken sind von der schwächelnden Nachfrage betroffen. Unternehmen, die auf Exklusivität und zeitlosen Luxus setzen, sind von der Krise weitgehend unbeeindruckt. So konnte Hermès seinen Quartalsumsatz steigern. Auch Moncler und Brunello Cucinello legten laut Der Spiegel zu.
Laut der Unternehmensberatung Bain nehmen Bekleidung und Schuhe im Luxusbereich einen Anteil von 29% ein, Lederwaren machen 22% aus, Uhren und Schmuck 23% und Kosmetik und Parfum 20%. Der Rest umfasst Brillen und Accessoires. Für die kommenden Jahre prognostiziert Der Spiegel eine weiter steigende Abhängigkeit der Luxusmarken vom chinesischen Markt. Erwartet wird auch, dass jüngere Generationen Luxus weniger als Statussymbol definieren werden, sondern als Ausdruck eines Werteverständnisses, bei dem es auch um Langlebigkeit, Haltbarkeit und Nachhaltigkeit geht.