Gemäß unseren Informationen haben Sie einen niedrigen siebenstelligen Betrag investiert, vorrangig, um die Altschulden zu bedienen. Wie viel weiteres Investment planen Sie ein?
Das, was gebraucht wird, um die nötigen Konzepte umzusetzen. Um aus der Insolvenz herauszukommen, mussten wir einen 18-monatigen Finanzierungsplan vorlegen. Das haben wir gemacht. Dahinter liegt ein Businessplan mit langfristiger Perspektive. Natürlich werden noch weitere Investments benötigt. Ich bin Unternehmer und werde mit Verständnis und klarem Konzept agieren. Ich bin allerdings auch kein Fass ohne Boden. Es muss alles Hand und Fuß haben. In dieser Firma wird nun jeder Stein umgedreht. Das bedeutet nicht, dass in der Vergangenheit alles schlecht war. Görtz war immer Vorreiter und hat einen guten Namen. Die letzten Jahre waren aus verschiedenen Gründen angespannt. Nun geht es um die Zukunft. Wir können nicht immer argumentieren, der Markt sei schlecht und das Wetter passe nicht. Wir müssen schauen, was sich ändern muss, um im Markt besser bestehen zu können. Wir müssen erreichen, dass Kunden nicht nur dann Schuhe kaufen, wenn sie neue brauchen. Ziel muss es sein, durch Inspiration neue Kunden zu gewinnen. Das erste, was wir nun tun, ist, unsere Kunden zu definieren. Dieser Prozess ist gerade im Abschluss. Danach werden wir unsere Filialen so gestalten, dass wir diese Kunden und Zielgruppen erreichen. Alles wird sich um den Verbraucher drehen und nicht darum, was wir selber gut finden. Wir müssen wegkommen von dem Gedanken: Wir in der Zentrale machen alles richtig. Wir müssen uns nach den Filialen richten, und die Filialen müssen sich nach den Kunden richten.
Was bedeutet das für die bisherige Führungsriege?
Auch diese muss umdenken. Frank Revermann wird Ende diesen Monats aufhören. Er wird uns allerdings beratend bei einem neuen Konzept zur Seite stehen. Er geht nicht, weil er nicht mehr an Görtz glaubt. Wir gehen im Guten auseinander. Aber die letzten Jahre waren herausfordernd, auch für ihn. Und ich brauche jetzt Energie und Elan von jedem einzelnen Teammitglied. In Kürze wird es einen Nachfolger geben. Tobias Volgmann bleibt im Unternehmen und ist für Finanzen und einige operative Themen verantwortlich. Und ich werde mich stärker einbringen. Ich bin kein Organ in der Gesellschaft, aber ein Ideentreiber und auch Sanierer.
Görtz hatte im vergangenen Jahr noch 160 Filialen. Wie viele werden tatsächlich im Markt bleiben?
Es sind aktuell 45, einige werden dazu kommen und wir planen Wachstum in Österreich. Es werden mittelfristig mehr als 50, 60 Filialen werden. Ein solches Konzept braucht eine gewisse Filialzahl. Das werden wir erreichen, aber es wird sich inhaltlich einiges verändern. Wir werden in drei Cluster gehen: zum einen Görtz, wie man es bislang kennt. Hinzu kommt Görtz Lifestyle mit einem etwas jüngeren Schuhangebot plus Textilien und Accessoires. An einigen Lifestyle-Standorten werden wir ein Schachtelprinzip anbieten, das weniger personalintensiv ist. Aber auch dieses wird sich im Hinblick auf die Ware nach den Kundinnen und Kunden richten, die wir definiert haben. Hinzu kommt mit Görtz Boutique ein gehobenes Angebot, bei dem unsere edle Eigenmarke Ludwig Görtz im Zentrum steht. Wir werden uns jeden Standort anschauen und entscheiden, welches Konzept wir wo umsetzen. An unserem Flaggschiff, der 101 in Hamburg, werden wir alle drei Segmente anbieten. Wichtig ist mir: Wir werden uns nicht in Richtung Discount orientieren und auch nicht in Richtung Dior und Prada. Wir sind in der Mitte. Das werden wir in Zukunft stärker herausarbeiten.