Im Rahmen ihrer Wirtschaftsgespräche hatte die CDU/CSU-Fraktion mehrere Handelsexperten eingeladen, ihre jeweilige Position darzulegen und mit den rund 200 Teilnehmern zu diskutieren. Dabei wurde im Kern die Frage diskutiert, ob eine Chancengleichheit zwischen stationärem und Onlinehandel besteht – und falls nicht, wie diese erreicht werden kann. Aspekte wie die Regulierung von Onlineplattformen spielten in der Diskussion ebenso eine Rolle wie das immer wieder strittige Thema der Sonntagsöffnungszeiten.
Statements der Teilnehmer…
…zur Regulierung von Onlineplattformen:
Günter Öttinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft: „Man muss bei diesen Plattformen betrachten, wie sich ihre gesamte Wertschöpfung und ihre Marktstellung darstellt. Da sind Ebay und Amazon sehr unterschiedlich. Ebay bietet eine sehr konkrete Dienstleistung. Amazon hat eine relativ marktbeherrschende Stellung und greift in die Wertschöpfungskette ein. Uns geht es um fairen Wettbewerb und die Vermeidung von Diskriminierung. Keiner soll erpressbar sein oder gezwungen werden. Insoweit werden wir jetzt die Frage bearbeiten, ob wir europäsische Regeln für den Binnenmarkt brauchen. Bei diesem Thema müssen wir von Fall zu Fall vorgehen.“ Er sei überzeugt, so Öttinger, dass die Online Big Player auf den europäischen Markt nicht verzichten wollen. „Es ist der attraktiveste Markt der Welt. Sie werden deswegen auch unsere Regeln einhalten – sofern es diese gibt.“
…zu den Sonntagsöffnungszeiten:
Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverband Deutschland (HDE): „Es ist sehr komplex, aber wir wollen das Thema Sonntagsöffnugnszeiten aufgreifen und bei den entsprechenden Stakeholdern platzieren, beispielsweise den Gewerkschaften. Lassen Sie uns die Tür gemeinsam aufstoßen. Es geht nicht um ein Ausdehnen von Geschäftsmöglichkeiten nach dem Motto: ’Die Stationären laufen den paar Euro Umsatz hinterher‘. Nein, es geht um Infrastruktur, um Aufenthaltsqualität für den Verbraucher.“
Günter Althaus, ANWR-Vorstandsvorsitzender und Präsident des Mittelstandsverbunds ZGV: „Uns wird oft von der Politik die Frage gestellt: Was können wir für euch tun? Wie können wir euch unterstützen? Beim Thema der Sonntagsöffnung sage ich: Sie müssen Position beziehen. Position kann ein Gesetzgeber dadurch beziehen, dass er Gesetze verändert. Wenn wir darüber reden, dass wir insbesondere zur weiteren Entwicklung der digitalen Transaktionsmöglichkeiten im Handel eine Liberalisierung an den unterschiedlichsten Stellen brauchen, muss ich feststellen, dass momentan in den meisten Positionspapieren diese Liberalisierung einseitig in Richtung der Digitalwirtschaft geht und dass an diesem Punkt der analoge bzw. stationäre Handel vergessen wird. Wenn wir etwas für den stationären Handel und seine Entwicklung in die digitale Welt tun wollen, müssen wir auf dem Weg dorthin eine Chancengleichheit erreichen.“
Videomitschnitte der Statements von Günter Althaus finden Sie auf Facebook:
Video 1
Video 2
Eine ausführliche Berichterstattung sowie zahlreiche Fragen aus dem Teilnehmerkreis und Statements der Redner lesen Sie in der kommenden Ausgabe von schuhkurier.