Haben Sie etwas am Preisgefüge verändert, wenn die Produktion jetzt in Ungarn erfolgt? Und ist mehr Marge für den Handel drin?
Jürgen Becker: Wir haben keine bestehenden Modelle im Preis reduziert. Aber wir bieten jetzt einige Styles in einer Einstiegspreislage an: Sandalen ab 99,90 Euro. Wir hatten diese Preislage vereinzelt in der Vergangenheit. Jetzt handelt es sich aber um Modelle in ganz regulärer Ausstattung. Im Halbschuhbereich haben wir die die Preislagen 130, 140 und 150 Euro ausgebaut. Neu sind acht Modelle mit einer erhöhten Marge von 156 %. Wir empfehlen dem Handel die höhere Preisgestaltung – bewusst , um für den Händler mehr Handelsspanne zu generieren. Dieses Thema kommt sehr gut im Handel an. Wir haben den Eindruck, es wurde noch nie so sehr über Preislagen gesprochen wie derzeit.
Wie steht es um die Komfortelemente wie Mehrweiten in Ihren Schuhen? Bleibt es beim Bewährten?
Jürgen Becker: Wir bieten schwerpunktmäßig die Weiten G, H und K an, wobei H und K die wichtigsten sind. Einige Modelle bieten wir auch in Weite M an und einige Varianten in der Schmalweite D. Es ist uns wichtig, dass wir diesen Service auch weiterhin bieten. Das umfasst auch die Unter- und Übergrößen in den Größen von 1 bis 12.
Wie sieht es mit dem Export aus?
Stefan Markert: Wir sind in Europa gut vertreten. Belgien, die Niederlande, Österreich und die Schweiz sind wichtige Märkte für uns. Auch in Kanada, Japan und Australien haben wir Kunden. Darüber hinaus haben wir in einigen Ländern Versuche unternommen, die aber nicht von Erfolg gekrönt waren. Aktuell geht es uns darum, unsere Position in den bestehenden Märkten zu stärken.
Die Situation im deutschen Markt ist derzeit nicht einfach. Es verschwinden viele Händler aus dem Markt. Daran können Sie bei allen Bemühungen nichts ändern. Wie blicken Sie auf die Situation?
Stefan Markert: Es ist wirklich erschreckend, zu sehen, wie viele Kunden nicht mehr im Markt aktiv sind. Wir stellen uns daher so auf, dass wir auch mit einer kleineren Produktionsmenge zurechtkommen. Wenn die Ware für F/S 2026 verkauft ist, werden wir nochmals nachjustieren und alle Kosten überprüfen.
Was hat das Verfahren mit Ihnen persönlich gemacht?
Stefan Markert: Es ist vor allem anstrengend und ging uns auch persönlich an die Nieren. Wir sind die fünfte Generation der Unternehmerfamilie. Über die Jahrzehnte und Generationen haben wir gutes Eigenkapital aufgebaut. Ich bin seit 30 Jahren im Unternehmen und Jürgen Becker noch ein bisschen länger. Wir haben Corona einigermaßen gut überstanden, auch dank dem Versandhändler Klingel. Und dann kam die Nachricht von dessen Insolvenz im Jahr 2023. Das hat uns ganz, ganz hart getroffen. Es folgten der Verkauf von Vamos an Weltbild und das Ende des Versandunternehmens, der zweite Schlag für uns und ein Riesenausfall. Ein großer Prozentsatz unseres Umsatzes war weggebrochen, verbunden mit der Frage, wie wir die Produktion auslasten können. Wir mussten für Liquidität sorgen, um unsere Rechnungen bezahlen zu können – so etwas hatten wir in unserer Zeit als Geschäftsführer noch nicht erlebt. Das ging im Sommer letzten Jahres los. Es war für uns ein langer Kampf, und zum Ende des Jahres 2024 war für uns klar, dass wir die Weichen neu stellen müssen. Wir sind keine Manager, die eingesetzt wurden. Wir sind Mitglieder der Unternehmerfamilie und kennen jeden einzelnen Mitarbeiter seit vielen Jahren.