Rund 21.500 Insolvenzen dürften Ende dieses Jahres zu Buche stehen, prognostiziert Allianz Trade in einem aktuellen Bericht. Das sind 15% mehr als im Vor-Corona-Jahr 2019. Bereits im vergangenen Jahr war die Zahl der Pleiten um 22% gestiegen.
Erst für 2025 erwarten die Experten des Kreditversicherers einen nur noch moderaten Zuwachs der Fallzahlen um weitere rund 2 % auf dann 22.000 Fälle.
„Insbesondere im Baugewerbe (9) und im Einzelhandel (9, davon 8 im Mode-Einzelhandel) gab es viele große Insolvenzen. Aber auch bei Dienstleistungen (7) sowie Möbel und Haushaltswaren (6)“, sagt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade. „Die Gründe für diese Häufung sind teilweise sehr unterschiedlich. Einige Unternehmen konnten die fälligen Rückzahlungen von Corona-Darlehen nicht stemmen oder hatten Schwierigkeiten, an neue Kredite zu kommen aufgrund der restriktiveren Vergabe und den wesentlich höheren Anforderungen der Finanzierungspartner. Wieder andere waren von einem einzelnen Großkunden abhängig, der weggebrochen ist.“
Im Mode-Einzelhandel hingen einige Unternehmen seit Jahren am seidenen Faden, so Bogaerts weiter: „Die verbrauchernahen Branchen spüren die aktuelle Kaufzurückhaltung allerdings besonders. Hinzu kommen die weiterhin hohen Container-Frachtraten, die angesichts des bevorstehenden Weihnachtsgeschäfts vielen Unternehmen Sorgen bereiten.“
Nicht nur die Pleitefälle nehmen zu, sondern auch die Großinsolvenzen. Im ersten Halbjahr 2024 gab es laut Allianz Trade bereits 40 große Insolvenzen. Das ist nicht nur der höchste Wert zum Halbjahr seit 2015, sondern auch über ein Drittel (+37%) mehr als im Vorjahreszeitraum.
Der kumulierte Umsatz der großen Pleiten belief sich in den ersten sechs Monaten 2024 auf 11,6 Mrd. Euro und lag damit bereits zum Halbjahr über dem Gesamtschaden für das Jahr 2023. Der durchschnittliche Umsatz der insolventen Großunternehmen – und damit auch die Schäden für die betroffenen Lieferanten – lag bei 290 Mio. Euro, das ist ein Plus von 85 % (1. Halbjahr 2023: 156 Mio. Euro).