Als der Bundeskanzler am 27. Februar 2022 erstmals von einer „Zeitenwende“ sprach, geschah das im militärischen Kontext. Dass sich aktuell aber auch in anderen Zusammenhängen Gravierendes ändert, war auch auf dem Handelskongress Deutschland in Berlin spürbar. Denn nach dem Vortrag, den Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, dort hielt, dürfte eigentlich jedem im Publikum klar gewesen sein: Der Klimawandel ist nicht ein Problem unter vielen, er ist das Problem schlechthin. Wenn nämlich die Klima-Problematik weiterhin durch die Priorisierung anderer Krisen verdrängt werde, „gehen – während wir über den Brückenstrompreis reden – die Lebensgrundlagen der Menschheit verloren“, so der Wissenschaftler. Obwohl die Erderwärmung laut Pariser Klimaabkommen deutlich unter zwei Grad zu halten ist, „reichen wir aktuell bereits an 1,5 Grad heran“. Fakt ist jedenfalls: „Wenn wir weitermachen mit Business as usual, werden wir in ein dunkles Zeitalter eintreten.“ Das sei keine Panikmache, sondern vielmehr „unsere Verpflichtung als Klimaforscher, darauf aufmerksam zu machen“.
Nichts bleibt, wie es ist
Die einzige Lösung sei, die Erderwärmung zu stoppen und zurück in ein verträgliches Klimaregime zu finden. Dafür „müssen wir das CO2 aus der Atmosphäre entfernen – und zwar im großen Stil.“ Beim Bauen müsse man von Beton zu nachwachsenden Rohstoffen wie Holz übergehen, zirkuläre Wirtschaft sei das große Paradigma. „Nichts wird so bleiben wie es war“, sagt Hans Joachim Schellnhuber. „Das ist eine Drohung. Aber es ist auch eine Chance.“
Einer der, auch wenn ringsum Krise herrscht, seine Chancen zu nutzen weiß, ist Torsten Toeller, CEO und Gründer des Tierbedarfshändlers und mittlerweile auch -dienstleisters Fressnapf. 1990 gegründet, betreibt das in Krefeld beheimatete Unternehmen aktuell 2.000 Läden in 13 Ländern. Soeben hat Fressnapf den zweitgrößten Tierbedarfshändler Hollands übernommen. „Wir haben einen Lauf im Moment“, sagt Toeller auf dem Handelskongress. „Dieses Jahr werden wir über 4 Mrd. Euro umsetzen und an die 14% Wachstum haben.“ Sein Erfolgsrezept: „Wir haben uns vom Versorger zum Umsorger, vom Omnichannelhändler zu einem Ökosystem entwickelt.“ Fressnapf bettet das Tier und seinen Halter ein in einen Kokon aus Produkten und Dienstleistungen, denn „nur wenn wir jeden Wunsch und jedes Bedürfnis erfüllen, werden wir mehr Loyalität von unseren Kunden bekommen“. Beim Warensortiment sollen medizinische Produkte wie Vitamine, Mineralstoffe und Supplements forciert werden, denn „das Thema Gesundheit schwappt vom Menschen über zu den Tieren“, so Toeller. 50% des Gesamtumsatzes erzielt er mit Eigenmarken.