Frau Wischnewski, haben Sie als junge Unternehmerin auch um Anerkennung von Kollegen ringen müssen?
Brigitte Wischnewski: Von den Kollegen ernst genommen zu werden, war für mich eigentlich kein Thema. Leider waren aber selten weitere Frauen dabei. Das war einfach nicht üblich in meiner Anfangszeit Mitte der 70er-Jahre. Ich habe es oft erlebt, dass ich die erste Frau in einigen Gremien war. An Akzeptanz hat es aber nicht gemangelt. Der fachliche und kollegiale Umgang war immer gut.
Wie erleben Sie das heute, Frau Goertz?
Britta Goertz: Ich erlebe das genauso. Ich klassifiziere aber auch nicht den Menschen, der vor mir steht, nach seinem Geschlecht oder seiner Herkunft. Wenn jemand vernünftig, freundlich und zugänglich mit mir kommuniziert, dann wird er immer das gleiche zurückbekommen. Und wenn jemand zickig, beleidigend oder herabwürdigend agiert, dann würde er oder sie eine entsprechende Reaktion von mir bekommen. Das hat mit dem Geschlecht nichts zu tun. Ich fühle mich von Männern genauso akzeptiert wie von Frauen.
Der Handel ist ein guter Raum für flexible Arbeitszeitmodelle – auch für Führungskräfte. Am Ende ist es aber doch oft die Frau, die zurücksteckt und Kompromisse macht.
Britta Goertz: Genau, und das fängt eben mit der Vermittlung der Werte und Normen an. Ich habe immer zu meiner Mutter gesagt: Ich will Geld verdienen. Ich will Dir nicht auf der Tasche liegen. Es war eines meiner größten Ziele als Jugendliche, mich auf eigene Beine zu stellen, meine eigenen Entscheidungen treffen zu können und damit verbunden Unabhängigkeit, auch finanzielle Unabhängigkeit, zu erreichen. Das hätte ich in meinem Leben nie aufgegeben. Ich hätte mich niemals in die finanzielle Abhängigkeit eines Partners begeben, das war einfach ein No-go für mich und ist es immer noch. Aber ich kenne auch sehr viele Frauen, die das völlig selbstverständlich tun, ohne darüber nachzudenken. Ich glaube nicht, dass der Staat oder Regularien das ändern können. Der Staat kann dann dafür sorgen, dass die Bedingungen gerecht sind. Aber wenn man die Werte nicht in sich trägt, dann gehen die Frauen in eine Ausbildung und erinnern sich irgendwann daran, dass man ihnen früher vermittelt hatte, für eine Familie da zu sein. Und dann gehen sie einen Schritt zurück, verlieren viele Jahre und müssen sich danach wieder einarbeiten.
Führen Frauen anders als Männer?
Brigitte Wischnewski: Ein Beispiel aus meiner Zeit mit meinem Vater lässt erkennen, dass er durchaus ein strenges Regiment führte. Die Wünsche nach einem freien Tag, oder auch die Zusage zu gewünschten Urlaubstagen ignorierte er gerne, weil er selbst diesen Anspruch für sich nicht hatte. Da musste auch schon mal eine Mitarbeiterin mit Kündigung drohen. Meinen eher kooperativen Führungsstil fand er zu lasch und lehnte ihn ab. Bei Britta und mir hat noch niemand mit Kündigung gedroht. Wenn ich zufriedene Mitarbeiter habe, habe ich Menschen um mich, die loyal zum Unternehmen stehen.
Britta Goertz: Wenn sich Frauen unterhalten, sind sie eher subtil zickig. Männer kommunizieren offener und offensiver. Ich glaube außerdem, dass Frauen mehr Geduld haben. Dass sie es immer noch einmal versuchen, länger ruhig bleiben und erst im letzten Moment auf den Tisch hauen. Bei den Männern ist es andersherum. Die hauen erst auf den Tisch und sagen hinterher: So schlimm ist es ja gar nicht. Das sind zwei von vielen gelernten Strategien. Ich glaube aber nicht, dass das Ergebnis unbedingt ein anderes ist.
Wie blicken Sie auf junge Generationen?
Britta Goertz: Wenn wir Praktikanten haben, versuche ich, aus ihnen herauszukitzeln, was sie begeistert, wofür sie sich interessieren, wofür sie bereit sind, sich einzusetzen. Dann stelle ich oft fest, dass viele diese Begeisterung gar nicht mehr haben, einen Ehrgeiz, etwas zu erreichen oder sich für Dinge stark zu machen. Das bereitet mir große Sorgen.