Noch vor wenigen Jahren hat sich kein etablierter Schuhhersteller damit beschäftigt, Barfußschuhe für Herren und Damen in die Kollektion aufzunehmen. Es war ein Thema von Spezialisten für eine eingeschworene Community. Das ist heute ganz anders. Der Markt wächst und wird auch für konventionelle Schuhmarken interessant. Gerade Gerli und Josef Seibel haben in den vergangenen Saisons bewiesen, dass es auch Platz für Barfußlinien von etablierten Marken gibt.
Es scheint noch nicht zu spät zu sein, das Thema zu besetzen. Auf der Expo Riva fiel auf, wie viele Mode-, Mainstream- und Sportmarken aktuell entsprechende Linien starten. Auch die große Nachfrage nach den Ausstellerflächen auf dem Rexor-Barfuß- und Kinderschuhtag in Mönchengladbach sowie der Barefoot in Offenbach zeigt das große Interesse am Marktsegment.
Es ist einer der wenigen Märkte der Schuhbranche, der nach wie vor wächst. Dennoch warnen gerade die Barfußschuhspezialisten davor, die Lage zu rosig einzuschätzen. „Wir spüren die Kaufzurückhaltung genauso. Wer weniger Geld hat oder ausgeben möchte, der traut sich auch nicht so sehr, etwas Neues auszuprobieren“, argumentiert Marco Vester von der Marke Groundies. Die Online-Händlerin Stefanie Steinert stimmt ein: „Die Wirtschaft keucht, und das schlägt sich bei uns ebenfalls nieder.“
Nach den zuletzt rasanten Wachstumsraten flacht die Entwicklung aktuell ab. 2026 ist der Markt geprägt von einem härteren Wettbewerb, steigender Sättigung und denselben wirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen auch der konventionelle Schuhmarkt zu kämpfen hat.
War der Markt bis vor Kurzem noch groß genug für alle, reicht es in dem Umfeld nicht mehr, einfach nur Barfußschuhe anzubieten. Die Marken – ob Spezialisten oder etablierte Schuhmarken – müssen etwas Neues und Interessantes anbieten, um im Markt zu bestehen. Wir werden künftig sehen, wer sich dabei herauskristallisiert und Impulse setzt.
Das bedeutet auch eine Umstellung für den Barfußschuhhandel. Konnte er früher noch jede Marke zumindest einmal ausprobieren, muss er künftig selektiver werden. Er wird entscheiden müssen, welche Marke dem Endkunden etwas bieten wird, was er so noch nicht kennt. Was für den Schuhhandel Alltag ist, wird für viele Barfußschuhspezialisten eine neue Erfahrung sein.