Investor gesucht

Peter Kaiser: zwischen Hoffen und Bangen

Peter Kaiser Schuhfabrik in Pirmasens. (Foto: Peter Kaiser)
Peter Kaiser Schuhfabrik in Pirmasens. (Foto: Peter Kaiser)

Die Suche nach einem Investor für das Traditionsunternehmen läuft auf Hochtouren. Aber die Zeit wird knapp. schuhkurier fragte beim Generalbevollmächtigten des Schuhherstellers nach.

Es geht um alles. In einer Mitarbeiterversammlung am 19. Januar hatten die Geschäftsleitung und der Generalbevollmächtigte von Peter Kaiser den Beschäftigten erklärt, dass dringend ein Investor gefunden werden müsse. Veit Mathauer, Sprecher des Generalbevollmächtigten Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger aus Stuttgart, bestätigte gegenüber schuhkurier, dass die Suche nach einem Investor weiter „auf Hochtouren“ laufe und man „höchstes Interesse“ daran habe, zeitnah einen zu finden. Es gebe Interessenten, mit denen Gespräche geführt würden. Zugleich sei man offen auch für weitere potenzielle Investoren.

Sollte sich keine tragfähige Konstellation finden, sei voraussichtlich spätestens Mitte Februar mit einer Entscheidung zur Zukunft des Unternehmens zu rechnen, so Mathauer gegenüber schuhkurier. Für den 24. Februar ist die Gläubigerversammlung des insolventen Unternehmens anberaumt.
Findet sich kein Geldgeber, sind laut Mathauer verschiedene Szenarien denkbar, darunter die Zerschlagung, aber als „Worst Case“ auch die Schließung der Firma.

Von einer solchen wären zunächst die 200 Beschäftigten am Standort Pirmasens betroffen. Aber auch die 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im portugiesischen Werk müssten um ihre Zukunft bangen. Zwar ist dieses Werk nicht unmittelbar von der Insolvenz betroffen, jedoch ist Peter Kaiser der größte Abnehmer der dort hergestellten Schuhe.

Inzwischen ist auch die Peter Kaiser Retail GmbH, unter der die Monomarkenstores und der Fabrikverkauf in Pirmases geführt werden, insolvent. Am 21. Januar wurde die vorläufige Verwaltung des Vermögens angeordnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Justizrat Günter Staab bestellt.

Laut der Geschäftsführung von Peter Kaiser sind die Umsätze des Unternehmens in 2020 um bis zu 40% zurückgegangen. 2019 hatte der Umsatz bei 48 Mio. Euro gelegen. Aber auch vor der Corona-Krise hatte das Unternehmen zu kämpfen: Im Jahr 2018 lag der Umsatz bei knapp 56 Mio. Euro, jedoch wies das Unternehmen einen Jahresfehlbetrag von über 3 Mio. Euro aus. 2017 waren knapp 60 Mio. Euro Umsatz erzielt worden, bei einem Jahresfehlbetrag von über 2 Mio. Euro.

Am 14. September 2020 hatte das Traditionsunternehmen beim Amtsgericht Pirmasens einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens gestellt. „Unser Ziel ist es, das Unternehmen zu sanieren“, hieß es seinerzeit seitens des Sanierungsexperten Martin Mucha, der für die Dauer des Verfahrens als Generalbevollmächtigter in das Unternehmen eingetreten war, um die Geschäftsführung bei der Restrukturierung zu unterstützen. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter wurden bis Ende November über das Insolvenzgeld abgedeckt.
Am 1. Dezember war das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung über die Peter Kaiser GmbH eröffnet worden.



Produktion lahmgelegt, Umsatz im stationären Handel am Boden


„Wir waren mit unseren Kollektionen erfolgreich unterwegs, als der Corona-Lockdown nicht nur unsere Produktion in Deutschland und Portugal über Wochen lahmlegte, sondern vor allem auch unseren Umsatz im stationären Handel zum Erliegen gebracht hat. Zwar konnten wir über unsere Onlinekanäle weiterhin verkaufen, doch die Konsumlaune unserer Kunden war gering“, schilderte Stefan Frank, Geschäftsführer von Peter Kaiser, die Situation des Unternehmens. Auch nach dem Ende des ersten Lockdowns habe sich der Verkauf in den Ladengeschäften nur zum Teil erholt. Gründe seien die Frequenzverluste in den Innenstädten sowie eine generelle Verunsicherung der Verbraucher. Der „soft Lockdown“ im November und die erneute verordnete Schließung des Non-Food-Einzelhandels hatten die Situation für den Traditions-Schuhhersteller nochmals deutlich verschärft.

2019 hatte Peter Kaiser verschiedene neue Konzepte für den Fachhandel entwickelt. Das Jahr war allerdings auch geprägt von einer größeren Entlassungswelle. Im Februar hatte der Pirmasenser Schuhhersteller 40 Beschäftigte am Stammsitz entlassen. Im Gespräch mit schuhkurier hatte Geschäftsführer Stefan Frank erklärt, warum dieser Schritt unvermeidlich gewesen war: „Das Verhältnis der Produktionsmenge an den Standorten Pirmasens und Portugal passte zuletzt nicht mehr“, so Frank. Bei einer Gesamtfertigung von 3.500 Paar kämen allein 1.400 aus der Pfalz – das sei zu viel, um angesichts der lohnintensiven Fertigung am deutschen Standort profitabel zu arbeiten.

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Petra Steinke / 23.01.2021 - 16:55 Uhr

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