Schuhhersteller aus Pirmasens

Peter Kaiser beantragt Schutzschirmverfahren

Peter Kaiser Schuhfabrik in Pirmasens. (Foto: Peter Kaiser)
Peter Kaiser Schuhfabrik in Pirmasens. (Foto: Peter Kaiser)

Die Peter Kaiser Schuhfabrik GmbH hat am 14. September beim Amtsgericht Pirmasens einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens gestellt. Insbesondere der Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie und die anschließende Kaufzurückhaltung hätten zu erheblichen Umsatzrückgängen geführt.

Der Geschäftsbetrieb von Peter Kaiser soll trotz des eingeleiteten gerichtlichen Sanierungsverfahrens ohne Einschränkungen weitergehen. „Unser Ziel ist es, das Unternehmen zu sanieren“, heißt es seitens des Sanierungsexperten Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger aus Stuttgart, der für die Dauer des Verfahrens als Generalbevollmächtigter in das Unternehmen eingetreten ist und die Geschäftsführung bei der Restrukturierung unterstützen soll. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter seien über das Insolvenzgeld bis Ende November gesichert.

Nicht Teil des Insolvenzfahrens sind die Peter Kaiser Retail, die den Vertrieb der Schuhe im stationären Handel und online verantwortet, und die Schuhfabrik in Felgueiras, Portugal. 

Die Eigenverwaltung soll Unternehmen einen rechtlichen Rahmen bieten, um sich bei laufendem Geschäftsbetrieb in enger Abstimmung mit den Gläubigern neu aufzustellen. Als vorläufiger Sachwalter wurde Justizrat Günter Staab von Rechtsanwälte Staab & Kollegen in Saarbrücken bestellt.



„Konsumlaune war gering“
 

„Wir bedauern sehr, diesen schweren Schritt gehen zu müssen. Wir waren mit unseren Kollektionen erfolgreich unterwegs, als der Corona-Lockdown nicht nur unsere Produktion in Deutschland und Portugal über Wochen lahmlegte, sondern vor allem auch unseren Umsatz im stationären Handel zum Erliegen gebracht hat. Zwar konnten wir über unsere Onlinekanäle weiterhin verkaufen, doch die Konsumlaune unserer Kunden war gering. Auch nach dem Lockdown hat sich der Verkauf in den Ladengeschäften nur zum Teil erholt; als Gründe dafür sehen wir die Frequenzverluste in den Innenstädten, sowie eine generelle Verunsicherung der Verbraucher und daraus resultierend, eine allgemeine Konsumzurückhaltung“, erklärt Stefan Frank, Geschäftsführer der Peter Kaiser Schuhfabrik GmbH.

„Der internationale Markt für Bekleidung und Schuhe ist bekanntermaßen hart umkämpft und unter Margendruck. Peter Kaiser ist hier eine bekannte und begehrte Marke für hochwertige Damenschuhe und Accessoires. Ich sehe daher großes Marktpotenzial für das Unternehmen und halte es für realistisch, das Unternehmen zu sanieren und langfristig wieder stabil aufzustellen“, betont der Generalbevollmächtigte Martin Mucha. 
 


Rückblick 2019: Entlassungen und neue Konzepte 

Im April 2020 hatte Peter Kaiser-Geschäftsführer Stefan Frank im Interview mit schuhkurier über die Folgen der Corona-Krise für das Traditionsunternehmen gesprochen. Frank bat darin um Verständnis, dass man den Handel in der aktuellen Situation nicht so umfangreich unterstützen könne, wie einige Marktteilnehmer sich dies wünschen würden. 

Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen verschiedene Konzepte auf den Markt gebracht. So wurde im Februar 2019 die Shoebar gelauncht, ein System, bei dem sich Kundinnen aus einer Auswahl von Modellen eigene Styles zusammenstellen können. Im Sommer des vergangenen Jahres folgte die Dressy Wall, ein NOS-Depot für den Fachhandel. 

2019 war aber auch geprägt von einer größeren Entlassungswelle. Im Februar hatte der Pirmasenser Schuhhersteller 40 Beschäftigte am Stammsitz entlassen. Im Gespräch mit schuhkurier hatte Geschäftsführer Stefan Frank erklärt, warum dieser Schritt unvermeidlich gewesen war: „Das Verhältnis der Produktionsmenge an den Standorten Pirmasens und Portugal passte zuletzt nicht mehr“, so Frank. Bei einer Gesamtfertigung von 3.500 Paar kämen allein 1.400 aus der Pfalz – das sei zu viel, um angesichts der lohnintensiven Fertigung am deutschen Standort profitabel zu arbeiten.


Über die Peter Kaiser Schuhfabrik GmbH
 

Die Peter Kaiser Schuhfabrik ist nach eigenen Angaben die älteste Damenschuhfabrik in Europa. Die 1838 gegründete Schuhfabrik produziert Damenschuhe und Handtaschen im Stammwerk in Pirmasens und im portugiesischen Felgueiras. Rund 50% der jährlich hergestellten ca. 750.000 Paar Schuhe werden exportiert. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr nach Unternehmensangaben 48 Mio. Euro. Peter Kaiser beschäftigt aktuell rund 200 Mitarbeiter in Pirmasens und in der Gruppe rund 650. Geschäftsführer sind Stefan Frank und Manfred Klumpp.

     
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Petra Steinke / 14.09.2020 - 16:31 Uhr

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