Die schweren Ausschreitungen am vergangenen Wochenende haben im französischen Einzelhandel erhebliche Schäden hinterlassen. Nach Einschätzung des Präsidenten des französischen Industrie- und Handelskammertags (CCI France), Alain Di Crescenzo, sind mehr als 2.000 Geschäfte von den Plünderungen und Verwüstungen betroffen. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, bezifferte Di Crescenzo die Schäden am Montag auf mehrere Hundert Millionen Euro. Eine abschließende Bilanz liegt bislang nicht vor.
Die ursprünglich gegen steigende Lebenshaltungskosten und Missstände im öffentlichen Dienst gerichteten Proteste waren am Samstag, 17. Oktober, in mehreren französischen Städten eskaliert. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters kam es unter anderem in Paris, Marseille und Lyon zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei, Brandstiftungen und Plünderungen. Betroffen waren Geschäfte aus verschiedenen Branchen, darunter Mode-, Sportartikel- und Luxusgeschäfte. AFP berichtete von eingeschlagenen Schaufenstern und geplünderten Verkaufsflächen, teilweise weit entfernt von den genehmigten Demonstrationen.
Angesichts der Schäden berief der französische Handelsminister Serge Papin für Montag, 19. Oktober, ein Treffen mit Vertretern von Handelsverbänden, Banken und Versicherungen ein. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sollen dabei die wirtschaftlichen Folgen erfasst und mögliche Unterstützungsmaßnahmen für betroffene Unternehmen erörtert werden.
Auch in Italien kam es am Wochenende zu gewaltsamen Ausschreitungen. In der Mailänder Innenstadt wurden am Samstag und Sonntag mehrere Geschäfte angegriffen. Nach Berichten der italienischen Nachrichtenagentur ANSA waren darunter Filialen von Foot Locker, Under Armour, Levi’s und Decathlon. Im Bereich der Piazza Duomo und der Via Torino schlugen Gruppen von überwiegend jungen Menschen Schaufenster ein und entwendeten Waren.
Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Laut ANSA wurden bis Sonntagabend mehr als 200 Menschen zur Identitätsfeststellung auf Polizeidienststellen gebracht. Auch in weiteren italienischen Städten, darunter Turin und Bologna, kam es zu Auseinandersetzungen. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kündigte daraufhin für Montag eine Regierungssitzung zur Sicherheitslage an.
Nach Angaben von Reuters wurden in Mailand am Wochenende insgesamt 271 Menschen von der Polizei festgehalten, 32 davon wurden festgenommen. Das vollständige Ausmaß der Schäden im italienischen Einzelhandel ist bislang nicht bekannt.