Herausforderungen gibt es genug. Auch der Wegfall mancher großen Filialisten hinterlässt Spuren. „Die Stimmung im Handel ist eigentlich gut“, sagt Rainer Bachl, Gabor. „Der Fachhandel schlägt sich gut, aber mengenmäßig kann er natürlich nicht die wegfallenden großen Filialisten ausgleichen.“ Ein weiteres Problem seien die hohen Lagerbestände im Handel, weshalb sich Begeisterung für Neuheiten oft in Grenzen halte. Das beobachtet auch Darius Herges, Orderlounge: „Die größte Herausforderung ist es Neukunden zu gewinnen. Aber wir schaffen unser Ziel und wachsen, da wir mit unseren zwölf Marken breit aufgestellt sind.“ Für manche andere liegt die Antwort auf die Frage im eigenen Mindset: „Die größte Herausforderung für uns ist, dass wir mehr positive Stimmung brauchen. Wir sollten uns fragen, was war gut, und nicht, was war schlecht.“ Denn darauf komme es am Ende an: guten Mutes mit selbstbewusstem Schritt weiterzumachen. Das ist auch bei Scotch & Soda geplant, wie Peter Frericks erzählt: „Die Stimmung war schon besser. Dennoch werden wir nicht nervös und bleiben unseren Kunden treu.“
„Angezogene“ Schuhe melden sich zurück
Nicht auf die Stimmung drücken die innovativen Modetrends, die mit schönen Farben und Materialien begeistern. „Es gibt überraschende Unterschiede bei den Kunden innerhalb Deutschlands“, beobachtet Dennis Koterba, Naturino, zum Beispiel im Kinderschuhsegment. „Im Norden und Osten ist das Thema Barfußschuhe super wichtig. Im Süden ist es nicht so ein großes Thema.“ Tanja Distelrath, Leguano, erklärt: „Barfußschuhe sind nicht mehr nur ein Trendthema.“
Farbe wird unterschiedlich beurteilt. Etienne Manderveld, Floris van Bommel: „Es wird viel über Farbe gesprochen, aber der Mut ist nach wie vor verhalten. Weiße Sneaker sind inzwischen ein Klassiker ähnlich wie auch Jeans. Gut angenommen werden Sneaker im Farbmix, die dadurch leichter zu kombinieren sind. Insgesamt sind die Niederländer und Belgier modemutiger und farbfreudiger als die deutschen Einzelhändler.“ Das Schubladendenken verschwindet, es wird eher nach Allzweck-Lösungen gesucht. So sagt Adelina Terrin, Donna Carolina: „Ballerinas kommen sehr gut an, mit Applikationen, Strass, schlicht und in Absatzhöhen von 3,5 und 5 cm oder ganz flach. Gut beurteilt werden feminine Styles für jeden Anlass, eine Tendenz, die wir auch in Italien spüren. Innovativ sind Modelle im Denimlook.“ Überhaupt feiert Galanterie in moderater Ausführung ihr Comeback. Absatze in gemäßigten Höhen, Ballerinas und Sling Pumps stehen für die Rückkehr. So sagt Walter Breuer, Högl: „Es werden neue Themen gesucht, dabei muss es nicht immer ein neuer Leisten sein. Es kann auch eine andere Farbe oder ein anderes Material sein. Wir stellen schon seit zwei Sommersaisons fest, dass es eine Rückkehr zum „angezogenen“ Schuh gibt. Das stellt auch Michael Gerlach, Thea Mika, fest: „Es dürfen auch Metallic Slingpumps in Höhen von 30 bis 60 cm oder gar 90 cm sein.“ Aber sie müssen super verarbeitet, weich und angenehm am Fuß sein.
Westernboots waren das große Thema bei den Ordergesprächen. Christiane Zimmermann, Apple of Eden, ist überzeugt: „Cowboyboots funktionieren endlich auch in Deutschland. Die Läden müssen damit Flagge zeigen, um modische Kompetenz zu zeigen.“ Loafer und Mokassins erleben ebenfalls einen Aufschwung, wie Rainer Pfeiffer, Sioux, hervorhebt. Optisch geht es um Metallics und Denim-Looks und bei den Farben werden erdige Naturtöne gut besprochen als Kontrast zu Weiß. „Schuhe, die die Natürlichkeit auch optisch übertragen und modisch sind, laufen gut“, sagt Florian Werner, Werner 1911.