Wenn man derzeit mit Händlern aus der Modebranche spricht, klingt da wenig Euphorie durch. Die Kauflust ist aktuell eher schleppend. Es fehlt der Ruck. Auch wenn der Mai schon Boden gut gemacht hat und die Vorgaben aus dem Vorjahr auch im Juni sehr bescheiden sind, ist die Branche von himmelhoch jauchzend weit entfernt. Ob wir jemals wieder dahin zurückkehren, wo wir vor Corona waren? Wohl nicht, so die einhellige Einschätzung von Kennern. Das kann einem schon mal die Laune verhageln.
Umso bemerkenswerter ist es, dass die Stimmung in Ulm überaus gut war. Das Unitex-Festival, zwei Tage in drei Hallen auf dem Messegelände in der süddeutschen Zweilandstadt, stand ganz im Zeichen des Netzwerkens. Mal ohne Orderblock und Auftragsdruck zusammenkommen, um zu schauen, was geht: Dieses Konzept wird offenbar gewünscht. Die Veranstalter melden jedenfalls steigende Aussteller- und Besucherzahlen.
Das Event hat die seit längerem vor sich hin gärende Debatte um eine (neue) Messe für das Fashionbusiness wieder aktiviert: Die Branche brauche Gelegenheiten zum Zusammenkommen, Sprechen und Feiern. Sie wünsche sich neue Impulse und den Blick über den Tellerrand. Da entstehe viel Dynamik, die sich mitnehmen lasse, direkt ins eigene Unternehmen. Und diesen Effekt erreiche man nun mal nicht, wenn man sich ausschließlich während der Orderrunde in Showrooms treffe – das sind nur einige der Stimmen zum Thema.
Wünsche gibt es natürlich auch: Ein solches Event darf gern internationaler sein, damit mehr neue Kontakte generiert werden können und sich die deutschen Branchenakteure nicht nur um sich selber drehen. Je weiter der Radius, desto besser. Auch der Mix der Segmente – DOB, HAKA, Schuhe, Accessoires, Deko, Düfte – alles unter einem Dach wird als spannend und inspirierend empfunden.
Die Branche ist mit einer ordentlichen Hypothek ins Jahr gestartet. Aber Ende Mai können wir doch festhalten, dass es jede Menge Dynamik, Kraft und Ideenreichtum gibt. Das wurde in Ulm auf jeden Fall deutlich. Und darauf lässt sich aufbauen.