Google hat im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) die gewohnten Produkt-Karussells und kostenlosen Shopping-Raster nahezu komplett gestrichen. Grund für die Maßnahme ist die Einhaltung des europäischen Digital Markets Act (DMA), der großen Tech-Konzernen die Eigenbevorzugung von Diensten untersagt.
Daten des niederländischen Analyseunternehmens Productrise und des SEO-Tools Semrush belegen einen drastischen Einbruch: In EWR-Staaten wie Deutschland, Frankreich und den Niederlanden sank die Präsenz der organischen Produkt-Karussells innerhalb weniger Tage um 90 bis 100 %. Märkte außerhalb des EWR – etwa die USA, Großbritannien oder Australien – sind von der Umstellung nicht betroffen.
Anstelle der Produkt-Feeds zeigt Google in den EWR-Ländern nun vor allem Listen und sogenannte „Aggregator Units“, über die Drittanbieter und Preisvergleichsportale verlinkt werden. Zudem wurde der dedizierte Shopping-Tab aus der Hauptnavigation der Suche entfernt. Unberührt von den Änderungen bleiben nach aktuellen Beobachtungen lediglich bezahlte Shopping-Anzeigen.
Branchenexperten warnen vor den Konsequenzen für den E-Commerce: Da die direkte Platzierung über das Google Merchant Center kaum noch organische Reichweite generiert, verlieren klassische Produkt-SEO-Strategien an unmittelbarer Wirkungskraft. Während größere Shops die Lücke eventuell durch eine starke Eigenmarke auffangen können, stehen kleinere Händler vor der Herausforderung, ihre Sichtbarkeit künftig vermehrt über Drittplattformen oder bezahlte Werbeanzeigen aufbauen zu müssen.
Google selbst hatte bereits Anfang September angekündigt, dass die erzwungenen DMA-Anpassungen zu einer spürbaren Veränderung der gewohnten Suchqualität in Europa führen würden. Ob und in welcher Form künftig ein alternatives, DMA-konformes Produktformat nachrückt, ist derzeit noch unklar.