Der Krankenstand im Einzelhandel ist hoch. Jüngste Zahlen der AOK zeigen das Ausmaß. Der Handelsverband Deutschland (HDE) unterstützt den Vorstoß der Bundesregierung, die telefonische Krankschreibung wieder abzuschaffen. Seit ihrer unbefristeten Einführung Ende 2023 sei die Zahl der Krankmeldungen stark angestiegen und habe sich auf hohem Niveau verfestigt, so der Verband.
„Die telefonische Krankschreibung muss wieder abgeschafft werden. Sie erleichtert die Krankmeldung in zu hohem Maße und öffnet damit in der Praxis Missbrauch Tür und Tor“, erklärt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sei die teuerste allein von Arbeitgebern finanzierte Sozialleistung in Deutschland – die Ausgabendynamik sei längst kritisch.
Genth plädiert für eine klare Rückkehr zur klassischen Krankschreibung: „Die Lösung liegt doch auf der Hand. Die telefonische Krankschreibung sollte abgeschafft werden. In zwei Jahren lässt sich dann evaluieren, ob sich der Krankenstand normalisiert hat.“
Auch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), die seit Januar 2023 verpflichtend ist, steht in der Kritik. Laut HDE sei das Verfahren für Arbeitgeber weiterhin zu bürokratisch. Genth fordert: „Bei der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung könnte man bereits durch kleine Anpassungen große Entlastungen für die Unternehmen erzielen.“
Konkret schlägt der Verband vor, das bisherige „Pull-Verfahren“, bei dem Arbeitgeber die eAU aktiv bei den Krankenkassen abrufen müssen, durch ein „Push-Verfahren“ zu ersetzen. In diesem Modell würden die Krankenkassen die Information proaktiv an die Arbeitgeber übermitteln. „Hier muss die Politik jetzt handeln“, so Genth.