„Die Bedürfnisse der Konsumenten und die Spielregeln des Wettbewerbs wandeln sich rasant“, ist Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Schuh- und Lederwarenindustrie überzeugt. Die Digitalisierung schreitet unaufhaltbar voran und verändert alles. Echte Innovationen und neue, kreative Methoden zur Problemlösung sind erforderlich, damit Industrie und Handel in Zukunft erfolgreich am Markt bestehen können. Auch die Unternehmen der Schuh- und Lederwarenbranche sind gefordert, etablierte Modelle, die möglicherweise jahrzehntelang gut funktioniert haben und in den Köpfen der Mitarbeiter fest verankert sind, kritisch zu hinterfragen, aufzubrechen und den Blick zu öffnen, für das, was der Konsument wirklich will. Die innovativen Methoden des Design Thinking können vor diesem Hintergrund wertvolle Hilfestellung leisten. Dieser Ansicht waren auch die 18 Teilnehmer des Design Thinking-Workshop, zu dem der HDS/L am 2. November in Kooperation mit SAP nach Potsdam geladen hatte. Für sie galt es unter anderem Antworten auf die Frage „Wie sieht ein Schuh im Jahr 2030 aus?“ zu finden.
Der Kunde und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt
Was genau versteht man unter Design Thinking? Design Thinking ist eine innovative, von namhaften Konzernen und Start-ups erfolgreich eingesetzte Methode mit dem Ziel, Nutzer orientierte Lösungen und Innovationen zu entwickeln und zu implementieren – optimal abgestimmt auf die Bedürfnisse der Konsumenten. Die bunt gemischte Runde des HDS/L-Workshops, darunter Schuh- und Taschen-Designer, Trendforscher, Firmeninhaber, Ingenieure sowie Vertriebs- und Verbundgruppenmanager, durchlief in Potsdam einen klar strukturierten, interaktiven Prozess vom Problemverständnis bis zur Lösung. In Gruppenarbeit erlebten die Teilnehmer, wie Design Thinking kreative Potenziale freisetzt und eine schnelle, detaillierte Entwicklung kundenorientierter Ideen ermöglichen kann.
„Ich will alles und zwar sofort“, beschreibt Journalist und Industriedesigner Joachim Schirrmacher die hohen, kaum zu bewältigenden Ansprüche der Kunden, deren Erwartungen ins Unermessliche zu steigen scheinen. Was heißt das für den Schuh der Zukunft? Wie sieht er aus? Welche Motivation ist für den Kauf entscheidend? Wo und wann kauft der Kunde? Um Antworten auf diese Fragen zu gewinnen, führten die Teilnehmer zunächst eine Reihe von Konsumenten-Interviews durch. Für die Befragten waren neben gutem Aussehen vor allem Passform, Komfort, Qualität und Verfügbarkeit von Bedeutung. Der stationäre Handel wird dabei als Einkaufsstätte oftmals dem Internet vorgezogen: Die Anprobe am POS ist für viele Kunden nach wie vor elementar, um den optimal passenden Schuh zu finden. Darüber hinaus beeinflussen Kriterien wie nachhaltige Fertigung oder langlebige Materialien die Kaufentscheidung. Dass der Schuh zu möglichst vielen Outfits und Gelegenheiten passen, sprich wandelbar sein sollte, ist für zahlreiche Menschen nicht nur aus Budget-Gründen ein Muss.
Zukunft aktiv gestalten
Für alle Teilnehmer des HDS/L Design Thinking Workshop war die Veranstaltung ein voller Erfolg. Besonders gelobt wurde die strukturierte, ergebnis- und teamorientierte Zusammenarbeit. „Die möglichst multidisziplinäre Zusammensetzung der Teams ist für die kreative Ideenfindung eine wichtige Voraussetzung und kann auch in Unternehmen erfolgreich praktiziert werden“, glaubt Manfred Junkert. Auch hier kommt es auf die richtige Mischung an: Mitarbeiter aus den verschiedensten Bereichen können sich aufgrund ihres persönlichen Gedankenguts und unterschiedlicher Anforderungen gegenseitig befruchten. „Auf diese Weise können völlig neue Geschäftsmodelle und innovative Produkte entstehen. Ich empfehle allen Unternehmen die Chance des Design Thinking zu nutzen und Zukunft aktiv mitzugestalten“, appelliert der HDS/L-Vorsitzende Ralph Rieker an die Branche.